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Königlich Bayerisches 1. Schweres Reiter-Regiment "Prinz
Karl von Bayern"
Die Königlich Bayerische Armee hatte 1914 zum
Ausbruch des Ersten Weltkriegs 12 Kavallerieregimenter. In Deutschland gab es zu
dieser Zeit insgesamt 110 Kavallerieregimenter. In Bayern gab es 3 Gattungen:
Schwere Reiter (2 Regimenter), Chevaulegers (8 Regimenter) und Ulanen (2
Regimenter):
Die
bayerischen Schweren Reiter waren die Nachfolger der bayerischen
Kürassier-Regimenter, welche nach dem 70/71er Krieg den Kürass ablegten und mit
Einführung der Pickelhaube 1879 auch den Namen "Kürassiere" verloren. Obwohl
dies ein Schritt in Richtung Einheitskavallerie war, bekamen die Schweren Reiter
weiterhin die größten Mannschaften und Pferde zugewiesen. Das 1. Schwere
Reiter-Regiment war das Münchner Hausregiment, das seine Garnison in der
Hauptstadt hatte. Es ging auf die prächtige Garde du Corps König Maximilians I.
Josephs zurück und war eines der vornehmsten bayerischen Regimenter.
Geschichte
Im Russlandfeldzug Napoleons 1812 war ein Großteil der bayerischen Armee
vernichtet worden. Zu Beginn des Jahres 1813 befahl König Maximilian I. Joseph
deshalb die Wiederaufstellung der untergegangenen Verbände. Zusätzlich erfolgten
am 28. Februar 1813 das Aufgebot und die Mobilisierung der Nationalgarde.
So
wurde durch Allerhöchsten Erlass vom 26. März 1813 die Formierung der ersten
Stammtruppe des Regiments, eines Regiments Nationalgarde zu Pferd, befohlen, zu
dessen Inhaber der König seinen zweitgeborenen Sohn, den Prinzen Karl, ernannte.
Das Regiment erhielt den Namen "National-Chevauleger-Regiment Prinz Karl". Nach
seiner Bestimmung durfte es nicht außerhalb der Grenzen des Königreichs
verwendet werden. Als Sammelplatz wurde die Stadt Freising bestimmt und zum
ersten Kommandeur Oberstleutnant von Winkler ernannt.
Am 12. August 1813 wurde das Regiment auf eigenen
Wunsch in ein Feldregiment, das außerhalb der Landesgrenzen kämpfen konnte,
umgewandelt und erhielt die Bezeichnung "7. Chevauleger-Regiment Prinz Karl".
Die nationale Begeisterung hatte auch Bayern erreicht und die Truppen brannten
darauf, gegen die Franzosen zu kämpfen.
Entgegen dem Verlangen Napoleons - Bayern war
durch den Rheinbund immer noch Frankreich verpflichtet - marschierte das
Regiment in eine Stellung um Braunau am Inn, da sich ein österreichisches Heer
gegen die Ostgrenze Bayerns in Bewegung gesetzt haben sollte. Am 8. Oktober
schloss sich Bayern durch den Vertrag von Ried den Verbündeten Österreich,
Preußen und Russland an, um jetzt offen gegen Napoleon zu kämpfen. So konnte man
sich mit den Österreichern vereinigen. Das Regiment ging im Verband des
bayerischen Heeres nach Norden gegen Würzburg vor. Dabei erreichte es die
Nachricht von der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht von Leipzig (16. -
19. Oktober 1813). Die bayerischen und österreichischen Truppen vertrieben nun,
da auch Württemberg sich inzwischen vom Rheinbund gelöst hatte, gemeinsam die
Franzosen aus Süddeutschland. Sodann wurde das Regiment als Besatzungstruppe in
die Rheinpfalz verlegt und kehrte im Frühjahr 1814 nach Bayern zurück.
Das
Regiment wurde mit dem Reskript vom 23. März 1815 zu 1. Kürassier-Regiment
umgegliedert und wechselte damit von der Leichten zur Schweren Kavallerie, die
nach französischem Vorbild mit Vorder- und Hinterkürass, stählernem Helm und dem
französischen Kürassier-Pallasch ausgerüstet war. Die Rückkehr Napoleons aus
Elba im Frühjahr 1815 machte einen erneuten Feldzug gegen Frankreich notwendig,
und so rückte das Regiment im Verband des bayerischen Korps unter Feldmarschall
von Wrede ohne größere Gefechtsberührung bis August tief nach Frankreich hinein.
Im Dezember kehrte das Regiment nach Bayern zurück und bezog in München die neue
Isar-Kaserne.
Die zweite Stammtruppe des Regiments war das
durch Allerhöchsten Erlaß vom 16. Juli 1814 errichtete Regiment Garde du Corps
zu Pferde, einem Gardekürassier-Regiment mit aufwendiger Uniformierung. Damit
gab es in Bayern zum ersten Mal nach 10 Jahren wieder Kürassiere und Schwere
Kavallerie. Kommandeur dieses Regiments war Oberstleutnant Fürst von
Löwenstein-Wertheim. Es stand im München und erstattete Garde-Regiment Rapport
unmittelbar an die Person des Königs.
Die Garde du Corps rückte im April zusammen mit
dem 1. Kürassier-Regiment in einer Brigade in den fast gefechtslosen Feldzug
gegen Frankreich. Am 10. Dezember 1815 war das Regiment wieder in München.
König
Maximilian I. Joseph hatte das bayerische Heer in erheblichem Maße aufgerüstet
und nach 1813 auch eine kostspielige Garde geschaffen, die er für das neue
Königreich schon aus Prestige zu benötigen glaubte. Nach dem Regierungswechsel
im November 1825 brachen mit dem neuen König Ludwig I. jedoch sparsamere Zeiten
an und die Kavallerie wurde auf zwei Kürassier- und sechs Chevauleger-Regimenter
vermindert. So fielen durch Verfügung vom 20. November 1825 der Gardestatus des
Regiments Garde du Corps fort, es wurde durch zwei Eskadrons des nun aufgelösten
bisherigen 1. Kürassier-Regiments vermehrt und zum normalen Kürassier-Regiment
mit dem Namen "1. Kürassier-Regiment Prinz Karl" mit Garnison München formiert.
Nach 50 Jahren Friedenszeit hatte das Regiment
dann im Feldzug 1866 gegen Preußen wieder einen Kriegseinsatz. Bayern kämpfte
zusammen mit den anderen süddeutschen Bundestruppen auf Seiten Österreichs. Das
Regiment rückte am 29. Mai 1866 in Richtung Thüringen aus, änderte dann die
Marschrichtung nach Westen, der preußischen Main-Armee entgegen.
Unentschlossenheit bei den Stäben, mangelhafte Organisation bei der Truppe,
ungenaue Kenntnis der Feindlage und fehlerhafte Befehlsführung brachten die
bayerischen Verbände in eine bereits verlorene Lage. Bei den Hettstädter Höfen
attackierte das 1. Kürassier-Regiment zusammen mit dem 2. Kürassier-Regiment im
ersten Treffen der Schweren Brigade die preußische Kavallerie-Brigade des
Obersten Krug von Nidda und warfen sie gegen den Tänningwald zurück. Dank der
Kürassierausrüstung waren die Verluste bei der Attacke gegen die preußischen
Husaren gering. Diese Attacke war die letzte kriegerische Handlung zwischen
Preußen und Bayern. Am 18. September rückte das Regiment wieder in München ein.
Im
70/71er Krieg gegen Frankreich zogen die bayerischen Truppen mit zwei Armeekorps
im Verband der III. Armee unter dem preußischen Kronprinz Friedrich-Wilhelm nach
Westen. Das Regiment rückte mit der III. Armee nach Frankreich, kam jedoch erst
im Oktober 1870 vor Orleans ins Gefecht und verblieb bis zum Waffenstillstand im
Operationsraum südlich von Paris. Am 16. Juli 1871 kehrte es mit den anderen
Truppen der bayerischen Armee in das festlich geschmückte München zurück.
Nach
längeren kontroversen Diskussionen wurde nach dem Krieg der Kürass abgelegt und
der Karabiner als Waffe im Regiment eingeführt. Zu gering war die Schutzwirkung
gegen die modernen Hinterlader, zumal der schwere Kürass permanent Pferd und
Reiter bei allen Märschen stark belasteten. Im April 1879 wurden dann auch der
stählerne Kürassierhelm und die Stulpenhandschuhe abgeschafft und durch eine
Pickelhaube ersetzt. Es war ein Schritt in Richtung Einheitskavallerie, der sich
dann auch in dem neuen Namen "1. Schweres Reiter-Regiment" manifestierte. 1890
wurde dann auch die Stahlrohrlanze wie bei allen anderen deutschen
Kavallerie-Regimentern eingeführt. 1902 zogen die Schweren Reiter in die neu
erbaute Prinz-Leopold-Kaserne am Oberwiesenfeld. Damit entfiel das tägliche
Ritual des Paradierens durch die Stadt von der Isar an das Oberwiesenfeld, was
die Münchner sehr bedauerten. War es doch eine Attraktion, wenn 700 Reiter mit
ihren Lanzen mit wehenden weißblauen Wimpeln und in blauer Uniform, unterstützt
von einem Kavallerie-Musikkorps voran, täglich durch die Stadt ritten und das
Volk in ihrem grauen Alltag unterhielten.
Mit Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde das Regiment
mit den 2. Schweren Reitern in der 1. Kavallerie-Brigade der 6. Armee unter
Kronprinz Ruprecht von Bayern unterstellt. Die Brigade rückte nach Westen aus
und wurde dort zunächst beim Grenzschutz gegen Frankreich eingesetzt. Nach
einigen Gefechten nahm sie an der Schlacht in Lothringen teil, bei der ein
französischer Vorstoß abgewehrt wurde. Im Oktober wurde die Brigade an den
nördlichen Heeresflügel verlegt und zu Aufklärungs- und Verschleierungskämpfen
bei Lille und Ypern eingesetzt. Nachdem der einsetzende Stellungskrieg im Westen
Kavallerie so gut wie überflüssig gemacht hatte, ging es Ende Januar 1915 zum
rückwärtigen Dienst nach Belgien, um dann als Armeereserve nach Metz beordert zu
werden.
Ausgiebigen
kavalleristischen Einsatz gab es dann wieder ab April 1915 an der Ostfront, wo
das Regiment beim großen Vormarsch in Litauen und Kurland verwendet wurde. Dabei
nahm es an den Schlachten um Schaulen, vor Dünaburg und bei Wilna teil. Dann
verharrte auch hier ab Herbst die Front im Stellungskrieg.
Von Mitte 1916 bis Mitte 1917 wurde das Regiment
nach der 1. Brussilow-Offensive der Russen am Stochod in Ostpolen eingesetzt, um
dort zusammen mit der gesamten bayerischen Kavallerie-Division die Front zu
stabilisieren. Das Regiment schlug im Stellungskrieg mehrere Großangriffe der
Russen ab. Anschließend nahm es an den Verfolgungskämpfen in Ostgalizien und in
der Bukowina bis Ende 1917 teil. Dann wurde die Schwere Reiter-Brigade zum
rückwärtigen Dienst in Rumänien zurückgenommen.
Im März 1918 rückte die Brigade dann im Kampf
gegen Bolschewisten bis zur Krim vor, ging dann aber in die Ukraine zurück und
verblieb dort als Sicherungsgruppe bis Kriegende im November 1918. Der
Rückmarsch in die Heimat gestaltete sich extrem schwierig, da sich die Truppe
durch feindliches Gebiet bei harten winterlichen Verhältnissen von der
Südukraine bis nach Ostpreußen zurückschlagen musste.
Nach der Rückkehr nach München, wurde dann das 1.
Schwere Reiter-Regiment am 30. September 1919 aufgelöst. Die Tradition wurde in
der Reichswehr von der 4. Eskadron des 17. (bayerischen) Reiter-Regiments in
Straubing übernommen.
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