Reiten auf Kandare
Bei der Kavalleriereiterei wurde im Allgemeinen
auf Kandare geritten, da die einhändige Beherrschung des Pferdes entscheidend
für die Gebrauchsreiterei und die Führung von Säbel und Lanze war. Die Zäumung
auf Trense fand in der Regel nur bei der Remontenausbildung oder sportlicher
Nutzung Verwendung.
Die Verwendung der Kandare heutzutage bei höheren
Dressurprüfungen ist eigentlich nicht notwendig und eine Reminiszenz an
vergangene Zeiten, da hier nur beidhändig geritten wird. Man kann alle die dort
gerittenen Lektionen auch problemlos auf Trense reiten. Die Kandare macht im
Prinzip nur bei einhändiger Zügelführung wirklichen Sinn, da sie hierfür
konzipiert wurde. Durch die höhere Hebelwirkung des Gebisses ist der
Kraftaufwand für eine Hand wesentlich geringer. Außerdem erlaubt die gerade
Wirkung der Kandare auf das Pferdegebiss keine eigentliche Richtungslenkung des
Pferdes durch die Zügelführung.

Nebenstehende Abbildung zeigt eine
vorschriftsmäßige Zäumung auf S-Kandare mit dem Dienstzaumzeug M 88 aus der
Reitvorschrift von 1912. Entscheidend für den guten Gebrauch der Kandare ist,
dass die Breite des Mundstücks exakt dem Pferdemaul entspricht, d.h. zu beiden
Seiten des Mauls vom Mundstück nichts zu sehen ist. Ist die Kandare zu breit,
kann sie sich im Pferdemaul verkanten und beim Pferd Schmerzen verursachen. Die
Kandare soll so im Maul des Pferds liegen, dass sich das Gebiss (n) etwa in
gleicher Höhe mit der Kinnkettengrube (r) befindet und die Hakenzähne nicht
berührt. Das Gebiss der Unterlegtrense (k) liegt an den Maulwinkeln an, ohne
diese hochzuziehen.
Sind die Zügel nicht angenommen, und liegen die
Anzüge der Kandare gleichlaufend mit der Maulspalte, so muss zwischen Kinnkette
und Unterkiefer bequemer Raum für zwei Finger sein.
Die richtige Lage und Wirksamkeit der Kandare für
das einzelne Pferd herauszufinden, bedarf sorgfältigster Prüfung und dauernder
Beobachtung, vor allem im Gange.
Auf Kandare werden drei Zügelhaltungen
unterschieden:
Mit losgelassener Trense:
Die Führung erfolgt nur über die Kandarenzügel, die Trensenzügel hängen ohne
Fühlung herab. Der Reiter teilt die Kandarenzügel mit dem Ringfinger der linken
Hand, das Ende dieser Zügel hängt über das zweite Gelenk des Zeigefingers aus
der Hand nach recht herab. Die Trensenzügel liegen über den Kandarenzügeln so in
der vollen Hand, dass sie auf beiden Seiten gleich lang herunterhängen. Falls
der Schieber (q) genutzt wird, befindet er sich hinter dem Ringfinger,
andernfalls ist er bis an das Ende der Kandarenzügel zurückzuschieben. Der
Schieber befindet sich nur beim Exerzieren, bei Waffenübungen und beim Reiten
mit angefasster Lanze in der Hand des Reiters. Der Schieber soll vor allem beim
Waffengebrauch ein Verlieren der Zügelführung verhindern. Der rechte Arm hängt
natürlich herab; die Hand liegt hinter dem rechten Oberschenkel.
Mit angefasster Trense:
Auf Kommando "Fasst Trensen an!" ergreift die rechte Hand mit dem Daumen und den
drei ersten Fingern den Trensenzügel und zieht ihn durch die linke Hand, bis der
linke Trensenzügel mit dem linken Kandarenzügel gleichmäßig ansteht. Der rechte
Trensenzügel wird so kurz gefasst, dass er mit dem rechten Kandarenzügel
gleichmäßig ansteht. Die linke Hand beleibt beim Reiten mit angefasster Trense
vor der Mitte des Leibes senkrecht über dem Widerrist stehen, die rechte ist
etwa zwei Fingerbreiten davon entfernt und wird in gleicher Höhe mit der linken,
wie diese senkrecht getragen. Heutzutage wird diese Zügelhaltung auch als "3 zu
1" bezeichnet im Gegensatz zu "2 zu 2" ("mit geteilten Zügeln"). Bei der
Kavalleriereiterei war die Führung mit "3 zu 1" die übliche Führung bei
beidhändigem Reiten auf Kandare. "2 zu 2" wurde nur in Ausnahme verwendet, da
sie die Gefahr hat, nicht gleichmäßig auf die Kandare zu wirken.
Mit
durchgezogener Trense:
Die Kandarenzügel und der linke Trensenzügel werden wie bei angefasster Trense
gehalten, der rechte Trensenzügel wird zwischen Mittel- und Zeigefinger
hindurchgezogen, alle vier Zügel über das zweite Glied des Zeigefingers hinweg
gelegt und hier vom Daumen gehalten. Das Durchziehen der Trense verhindert
ebenso wie das Anfassen der Trense, dass sich das Trensengebiss unter das
Kandarengebiss legt und Ladenbrüche verursacht.
Die Zügelführung mit durchgezogenen Trensenzügeln
ist die Regel, sobald mit Waffen geritten wird; doch kann der einzelne Reiter im
Gelände und beim Felddienst auch die Trense anfassen. Bei angefasster Lanze wird
mit losgelassener Trense geritten.
S-Kandare:
Die bayerischen Kavallerieregimenter verwendeten schon lange S-Kandaren, während
alle anderen deutschen Regimenter zunächst gerade Kandaren nutzen. Erst 1912
wurde die S-Kandare (bis auf die Kürassierregimenter) allgemein geführt. Die
Kandare mit S-förmigen Bäumen hat den Vorteil, dass die Pferde die Bäume nicht
mit den Zähnen fassen können und sicht damit der Wirkung der Kandare entziehen
können.
Folgende Abbildungen zeigen Beispiele der
verschiedenen Zügelführungen:
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Offizier des 3. Chevaulegerregiments mit losgelassener Trense
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Sergent des 2. Chevaulegerregiments mit durchgezogener Trense
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