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Schwere Reiter, Ulanen und Chevaulegers beim Reitverein Günzburg

29. September 2008

Ein Ereignis der besonderen Art gab es beim Herbstturnier des Reit- und Fahrvereins Günzburg am 21. September 2008. Viel bestaunt von zahlreichen Zuschauern trat das „Trompeterkorps der Bayerischen Kavallerie“ am Sonntag auf dem Turnierplatz auf und spielte zwischen den Springprüfungen eine Reihe von Reitermärschen. Das „Trompeterkorps der Bayerischen Kavallerie“ ist eine Musikerformation, welche – einmalig in Deutschland – in traditioneller Blechblasbesetzung mit Kesselpauken, Trompeten, Flügelhörnern, Posaunen, Basstrompete, Tenorhorn und Tuba zu Pferde spielt. Zu seinem Repertoire gehört eine Reihe von bayerischen Kavalleriemärschen mit hohem musikalischem Schwierigkeitsgrad. In den Uniformen des 1. Schweren Reiter-Regiments „Prinz Karl von Bayern“, des 1. Ulanen-Regiments „Kaiser Wilhelm II. König von Preußen“ und des 4. Chevauleger-Regiments „König“ vertritt es die gesamte Farbenpracht der Königlich-Bayerischen Kavallerie um 1900.
Das Trompeterkorps wurde dieses Jahr als gemeinsames Projekt des Münchner Traditionsvereins des ehemaligen Königlich-Bayerischen 4. Chevauleger-Regiments „König“ von 1892 und des Reit- und Fahrvereins Günzburg mit seiner Abteilung Ulanen gegründet mit dem Ziel, das beeindruckende Schauspiel einer Kavalleriemusik zu Pferde wieder aus der Vergessenheit zu holen und etwas auf die Beine zu stellen, was nicht alltäglich ist.
Die Pferde der Musiker sind Schul- und Privatpferde des Reitvereins. Der Kesselpauker in der Uniform der 1er Ulanen wird ebenfalls von den Günzburgern gestellt. Den Wallach Sianek, ein Schecke, wie er früher häufig als Paukenpferd verwendet wurde, holte der Verein Anfang des Jahres als Schulpferd aus Polen und trainierte ihn während des Sommers auf die Verwendung der Kesselpauken. Der Pauker lenkt sein Pferd allein durch Schenkel, Gewichtshilfen und den Trensenzügeln, welche an die Steigbügel geschnallt sind. Ein besonderer visueller Leckerbissen sind die Paukenbehänge des Trompeterkorps, welche unter Mithilfe des Bayerischen Armeemuseums in Ingolstadt nach den Originalbehängen des 1. Ulanen-Regiments nachgebildet wurden. Die Kesselpauken mit Behängen waren dem Regiment von Kaiser Wilhelms II. 1909 gestiftet worden.
Vor dem Ersten Weltkrieg hatte jedes Kavallerie-Regiment in Deutschland ein eigenes Trompeterkorps mit bis zu 23 Musikern. Es erfreute sich bei seinen häufigen Auftritten höchster Beliebtheit bei der Bevölkerung und war der besondere Stolz eines jeden Regiments.
Das „Trompeterkorps der Bayerischen Kavallerie“ kommt aus ganz Bayern und ist 10 Mann stark. Der Leiter der Formation, Musikmeister Walter Werner aus Altötting, hat alle Musikstücke selbst für die kleine Blechblasbesetzung arrangiert. Der Auftritt in Günzburg war der erste öffentliche Auftritt der Musiker. An nur zwei Wochenenden wurde in Günzburg das Formationsreiten und das Spielen auf dem Pferd eingeübt, welches an die Trompeter – so hießen die Musiker in der Kavallerie – besondere Anforderungen stellt, da die Blechbläser beide Hände zum Spielen der Instrumente benötigen und die Pferde ohne Zügelhilfen in der Formation halten müssen.
Weitere Informationen unter www.reitverein-guenzburg.de.

Das Trompeterkorps der Bayerischen Kavallerie spielte beim Herbstturnier in Günzburg

 


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Zuletzt geändert: Sonntag, 14 März 2010