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Ausrüstung des Mannschaftspferds (1904)

Zaumzeug M93

In Bayern war eine Variante des preußischen Zaumzeugs M88 das so genannte Zaumzeug M93 im Einsatz. Es war in drei Größen gefertigt uns setzte sich aus Halfter mit Trense (Trensengebiss und -zügel), und Hauptgestell mit Kandare (S-Kandarengebiss mit Zügel) zusammen. Alle Lederteils sind aus lohgarem, gebräuntem Leder mit blanken Eisenbeschlägen. Vas M93 ist variable zusammenstellbar und kann entweder als reines Halfter, als Trensenzaum oder als Kandarenzaum (mit Trense) verwendet werden.

Halfter und Hauptgestell wurden durch eine lederne Schnallvorrichtung im Genick und einer eisernen Öse am Halfter und Haken am Hauptgestell zusammengehalten.

Die Trense ist eine Unterlegtrense mit einer Trensenkette (4 Glieder) und Knebel zum Einschnallen in den eisernen Ringen und eine Lederöse des Halfters. Die Zügel der Trense haben ein Schnallvorrichtung, mit welchen sie in die Ringe der Trense geschnallt werden (in Preußen waren die Zügel fest angenäht). Am Ende werden die Zügel der Trense zusammengeschnallt.

Das Kandarengebiß ist eine S-Kandare mit Ringen oben und unten und Kinnkette. Die Kandarenzügel sind am Handende zusammengenäht und haben einen Schieber, über welche die Zügellänge verkürzt werden kann. Sie werden über eine Schnallvorrichtung mit dem Kandarengebiss verschnallt.

Feldmarschmäßig wurde ein Halfterriemen getragen, welcher 2m langem, fettgarem, besonders geschmeidigem Leder mit Schnallvorrichtung für den Halfterring am einen Ende und ein Schnallloch am anderen Ende bestand. Er wurde zusammengerollt mit einem Ende am Halfter und dem anderen Ende an der Schnalle des Kehlriemens eingeschnallt.

 

Vorderzeug

Das Vorderzeug besteht aus drei 2,4 cm breiten, von einem ledernen Herzblatt ausgehenden Riemen. Der Unterriemen wird schlaufenförmig unten am Sattelgurt festgeschnallt. Der längere der beiden Oberriemen (der rechte) wird durch die Schlaufe unter dem Sitzblatt des Armeesattels geführt und auf der Seite der linken Pferdeschulter mit dem anderen Oberriemen verschnallt. Die Schnalle ist mit einer kurzen Strippe (einem sog. Deckel) abgedeckt, so dass sie bei angeschnallten Vorderpacktaschen diese nicht aufreiben kann.

 

Armeesattel

Ab 1889 wurde in der preußischen Armee in allen Kavallerieregimentern der neu entwickelte Armeesattel eingeführt. Auch in Bayern löste der Armeesattel ab 1890 den bis dahin verwendeten Dänischen Bocksattel ab. Bis Ende des Zweiten Weltkriegs änderte sich der Armeesattel kaum. Er wurde im wesentlichen nur an Änderungen in der Packordnung durch Anbringung oder Entfernung von Aufhängevorrichtungen angepasst. Auch heute noch wird der Armeesattel M25 von der Sattlereifirma Winz in Nettetal angefertigt.

Der Sattelbaum des Armeesattels ist aus Hartholz und mit grauschwarzer Leinwand überzogen. Die Bekleidung des Sattels besteht aus den zwei Sattelkissen, dem Sitzleder und zwei Schweißblättern mit Kniepauschen. Zwei gepolsterte Sattelkissen aus Leinen sind unter die Trachten geschoben und bieten dem Pferderücken eine große Auflagefläche. Auf Grund des Leinenbezugs der Sattelkissen rutscht der Woilach nicht und benötigt anders als unsere heutigen Satteldecken keine Befestigungsstrippen. Durch das Sitzleder greifen vorne die beiden Krampen des Vorderzwiesels und hinten das Schlitzblech des Mittelpackriemens.

Sattelgurte gab es als Riemengurte aus lohgarem, angebräuntem Leder, geflochtene Gurte aus fettgarem Fahl- oder Transparentleder, Gurte aus acht Hanfstricken oder Gurte aus leinenen Stricken.

 

Packriemen

Garnitur von drei Stück aus lohgarem, angebräuntem Leder, jeder Riemen 2 cm breit und 70 cm lang, mit Schnalle nebst Schlaufe und Schnalllöchern. Am Schnallenende ist noch ein Stößel mit einer zweiten Schnalle nebst Schlaufe auf dem Riemen festgenäht. Beim mittleren Riemen sitzt die zweite Schnalle etwa 5 cm näher zum Schallende des Riemens als die der beiden anderen Packriemen.

 

Steigriemen, Steigbügel, Lanzenschuhe

Die Steigriemen sind 3 cm breit und 140 cm lang, an dem einen Ende mit Doppelschnalle und Dorn, an dem anderen zugespitzten Ende mit Schnalllöchern. Die Fleischseite des Leders liegt außen; das Einziehen in die Steigriemenringe am Sattelbaum erfolgt von unten nach oben.
Die Steigbügel sind aus gebürstetem Schmiedeeisen, an der äußeren Seite mit zwei Löchern zur Befestigung des Lanzenschuhs. Der Steigbügel hat eine geraute Sohle mit offenem Fußtritt.
Jeder Steigbügel hat einen kegelförmigen, unten offenen Lanzenschuh aus starkem Leder. Dieselben werden durch zwei rings um den oberen Teil festgenähte, 2 cm breite Riemen an den Steigbügeln befestigt.

 

Woilach

Der Woilach ist eine Decke von brauner, geköperter Wolle. Sie ist 234 cm lang und und 200 cm breit. Das Gewicht ist 3400 - 3500 g.

 

Sattelüberdecke

Die Sattelüberdecke ist seit 1890 nur mehr Paradestück. Bei den Ulanen ist sie aus stahlgrünem Grundtuch mit karmesinrotem Tuchbesatz sowie Futter aus Gradl. Alle vier Ecken sind abgerundet. In den beiden hintern Ecken ist eine karmesinrote Krone aufgenäht. Vorne durchgeschweißte Mittelnaht und hinten durch eingesetzte Zwickel der Form des Vorder- und Hinterzwiesels des Sattels sowie dem Pferderücken angepasst. Innen vorn beiderseits, je eine Lederstrippe mit Lederknopf zur Befestigung am Vorderzeug.

 

Obergurt und Umlaufriemen

Ein Obergurt und Umlaufriemen dienen zur Befestigung der Sattelüberdecke. Der Obergurt ist 5 cm breit, an einem Ende eine Lederkappe mit Schnalle und zwei Schlaufen, am anderen ein 3,1 cm breiten Riemen mit Schnalllöchern. Damit der Obergurt sich nicht verschieben kann, dürfen an der Stelle , wo der Umlaufriemen liegt, zwei Schlaufen angebracht sein.
Der Umlaufriemen ist 2,1 m lang und 2,5 cm breit mit Schieber und an einem Ende Schnalle mit Schlaufe, am anderen Schnalllöcher.

 

Futtersack

Der 135 cm lange und 49 cm breite Futtersack aus graugrünem, wasserdichtem Makkostoff wurde mit einer Hanfschnur durch 16 Zuglöcher, etwa 32 cm von der Öffnung entfernt, zugeschnürt. Außerdem befand sich eine kurze Hanfschnur in zwei Schnürlöchern etwa 2,5 cm unterhalb der Öffnung. An den abgerundeten Boden schloss sich ein 14 cm langer und 16 cm breiter schlauchartiger Fortsatz an. Dieser sog. Ausfülltrichter wurde durch eine Schnur im Boden zugebunden und in den Sack hineingesteckt, anschließend der Sack mit einer weiteren Schnur zugebunden. Zwei Doppelschlaufen aus Drillich oder Leder dienten zum Befestigen am Sattel.

 

Tränkeimer

Der Tränkeimer war aus wasserdichtem Bramtuch. Unter dem Boden sind zwei kreuzweise übereinander liegende graue Gurtbänder. Der Henkel ist aus Gurtband mit Schnallvorrichtung.

 

Fouragierleine

Leine von Hanfgarn mit Ring an einem Ende, etwa 8 m lang. Die Durchschnittszugfestigkeit ist 595 kg. Sie wird an den vierkantigen Ring auf der rechten Satteltracht befestigt.

 

Anbindering

Ein etwas 10 cm langer, eiserner Schraubenstift mit viereckigem Loch im Kopf. In dem Loch ein beweglicher, herzförmiger Ring, dessen zugespitzter Teil mit einer Vorrichtung zum Ein- und Ausschrauben von Schraubstollen versehen ist. Der Ring ist mit dem Schraubenstift durch Schweißung - nicht durch bloßes Zusammenbiegen des offenen Schraubenstiftloches - verbunden. Der Anbindering läßt sich zum Anbinden der Pferde in jedes Holz einschrauben.

 

Packtaschen

Die gesamte Ausrüstung wurde in den Packtaschen transportiert. Die zwei Packtaschen von lohgarem, angebräuntem Leder hatten eine Höhe von 31 cm, eine Breite von 18 cm und eine Tiefe von 9 cm. Der gewölbte, leicht geschweifte Überwurf verjüngt sich von 16 cm an den Rändern auf 13 cm in der Mitte. Die abgerundeten, seitlich und vorn übergreifende Deckel schließt ein langer Schnallriemen mit entsprechender Dornschnalle am Taschenboden. Auf der breiten Vorderseite der linken Packtasche befindet sich deine abgerundete Hufeisentasche (Höhe 16 cm, Breite 14 cm), verschließbar durch einen schmalen Lederriemen, der durch zwei Schnürlöcher in Tasche und Deckel gezogen wird. Auf der schmalen Vorderwand der linken Tasche sitzt eine Patronentasche, deren Deckel ein Schnallriemen schließt (Höhe 10 cm, Breite 7 cm, Tiefe 5 cm).
Zum Befestigen am Sattel dient an jeder Packtasche ein Schnallriemen an der hinteren Seitenwand sowie ein um die Mitte laufender Schnallriemen, der auf der Rückwand mit einem Binderiemen befestigt ist und an den schmalen Seitenwänden durch eine Lederschlaufe gehalten wird.
Auf dem Überwurf rechts schräg nach hinten ein Ring zur Befestigung des Karabinerfutterals mittelst des Schlagriemens. Bei den mit Karabiner bewaffneten Mannschaften ist auf der äußeren Breitseite der rechten Packtasche ein schräg nach vorn und unten zulaufender breiter Schnallriemen, sowie ein Ledersteg, auf der vorderen Seitenwand eine hierzu gehörige Schnalle angebracht zur Befestigung des Karabinerfutterals mittelst der an letzterem befindlichen Schlaufen.

 

Kochgeschirrfutteral

Das Kochgeschirr wird an einem besonderen Futeral am Sattel befestigt. Das nierenförmige Futteral aus lohgarem, angebräunten Leder von etwa 20,5 cm Höhe wird am Boden durch vier kreuzweise übereinander zu schnallende Riemen geschlossen. Zum leichteren Herausnehmen des Kochgeschirrs ist auf der Rückseite ein etwa 3 cm breites, braunes Gurtband festgenäht, das auf der gegenüberliegenden Seite durch zwei Lederschlaufen verläuft und am Ende zu einer Schlaufe umnäht ist. Außerdem befindet sich am oberen Rand der Rückseite ein Lederstück mit einem verstärkten Schlitz zum einhängen am viereckigen Ring der rechten Satteltracht.

 

Karabinerfutteral mit Riemen

Das Karabinerfutteral für den Karabiner 88 ist entsprechend seiner Form gearbeitet; Deckelöffnung mit Knopfverschluß am Kolbenende. Das Futteral trägt am obern Teil zwei Schlaufen zum Durchziehen des Schlagriemens, am unteren Teil zwei Schlaufen zum Durchziehen des Schnallriemens der rechten Packtasche bzw. des 2,5 cm breiten und 166 cm langen Futteralriemens. Der letztere dient zur Befestigung des Futterals, wenn keine Packtaschen angelegt sind. Damit der Karabinerriemen sich nicht verschieben kann, ist am Boden des Futterals eine Schlaufe zum Durchziehen dieses Riemens angebracht.

 

Karabinerscheibe

Zwei länglich geformte, an den Längsseiten zusammengenähte Lederplatten mit zwei Schlaufen zum Durchziehen des Karabinerfutteralriemens. Die Scheibe dient zur Befestigung des Karabinerfutterals am Vorderzeug, indem die Oberriemenstrippe des Vorderzeugs durch den Hohlraum der Scheibe in ihrer Längsrichtung gezogen wird.

 

Schlagriemen

2,3 cm breiter und etwa 65 cm langer Riemen. Er hat an dem einen zugespitzten Ende Schnalllöcher, an dem anderen eine Schnalle und zwei Schlaufen, auf jeder Seite des Riemens eine. Der Schlagriemen wird durch den Ring am Überwurf der Packtaschen und die Schlaufen am oberen Teil des Karabinerfutterals gezogen und hält so letzteres an der rechten Packtasche fest.

 

Packordnung (1904)

Der Kavalleriesattel wurde 1904 in folgender Weise feldmarschmäßig gepackt:

  • Der Woilach wurde sechsfach zusammengelegt und mit dem offenen Ende nach vorn aufgelegt.
  • Den Armeesattel legte man so auf, dass der Woilach vorn und hinten drei Finger breit über die Sattelblätter überstand; die Schnallen des Untergurtes lagen auf dem Woilach.
  • Das Vorderzeug wurde so angeschnallt, dass die Schnalle links auf dem Woilach lag; den Sattelgurt führte man durch die Schlaufe des Vorderzeugs.
  • Die aufgelegten Packtaschen wurden befestigt, indem man die Anschnallriemen durch die zwei Krampen der Vorderzwiesel von vorn nach hinten hindurchführte und an den Taschen festschnallte.
  • Das Karabinerfutteral wurde rechts an Packtasche und Schlagriemen angeschnallt.
  • Das Kochgeschirrfutteral wurde rechts hinten eingehängt; Beschlagschmiede führten stattdessen eine Beschlagtasche.
  • Den zusammengelegten Sattel schnallte man mit den drei Packriemen durch die Ösen der hinteren Trachten fest.
  • Die Fouragierleine wurde zusammengewickelt an dem vierkantigem Ring an der rechten Satteltracht befestigt.
  • Den Futtersack legte man, mit der zugeschnürten Seite nach links, so in den Sattel, dass er auf beiden Seiten gleichmäßig herabhing, und schnallte ihn in die zweiten Schnallen der Packriemen am Mantel.

Im Futtersack befand sich der Tränkeimer, Strohsohlen und Brotportion (750 g) als Beutel auf der linken Seite verpackt; auf der rechten Seite Haferration (2000 g) zusammengedreht und abgebunden.
Im Kochgeschirr die Eiserne Portion bestehend aus 250 g Eierzwieback im Beutel, 200 g Fleischkonserven, 150 g Gemüsekonserven, 25 g Salz im Beutel und 25 g Kaffee in Büchse.
 


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Zuletzt geändert: Sonntag, 14 März 2010