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Die Attacke von Lagarde

Die Attacke von Lagarde, welche das 1. Ulanen-Regiment zusammen mit seinem Schwersterregiment, den 2. Ulanen, am 11. August 1914 in Lothringen gegen die Franzosen ritt, war eine der letzten erfolgreichen Kavallerie-Attacken der Kriegsgeschichte. Im folgenden eine Beschreibung des Gefechts von Lagarde von Otto Ritter von Rizzi, veröffentlicht in den "Münchner Historischen Abhandlungen - Zweite Reihe - Kriegs- und Heeresgeschichte", herausgegeben von Eugen von Frauenholz, München 1934. Major a.D. Dr. phil. Otto Ritter von Rizzi hatte die Attacke als Oberleutnant im 2. Ulanen-Regiement selbst mitgeritten.

 

Otto Ritter von Rizzi

Die Attacke der Bayer. Ulanenbrigade bei Lagarde am 11. August 1914

Während um Mühlhausen die Kanonen der ersten großen Schlacht des Weltkrieges donnerten, marschierte die 6. Armee in den ihr zugewiesenen Versammlungsraum, der zwischen Metz und den Vogesen lag. Unter den fünf Korps, die ihr angehörten, waren vier bayerische (I., II., III. A.K. und I.R.K.) und ein preußisches (XXI. A.K.). Sie war in Wahrheit das bayerische Heer, verstärkt durch wenige andere Truppenteile. Fast das ganze bayerische Feldheer - ein Fall, der sich im späteren Verlauf des Krieges nicht mehr wiederholte - gehörte zur 6. Armee.
Aber nicht nur in ihren Gliedern, sondern auch in ihrem Haupt war die 6. Armee bayerisch. Kronprinz Rupprecht war ihr Führer; das Oberkommando der Armee, in München aufgestellt, war vorwiegend mit Bayern besetzt. Auch die der 6. Armee zugeteilte Heereskavallerie trug stark bayerisches Gepräge. Es war dies der höhere Kavalleriekommandeur 3 (H.K.K. 3) General der Kavallerie Ritter von Frommel, dem die 7. preußische, die 8. sächsische und die bayerische Kavalleriedivision (B.K.D.) unterstellt waren. Auch die dem H.K.K. 3 zur Verfügung stehenden Jägerbataillone (1. und 2. Jg.Btl.) waren bayerisch. Vom 10. August ab übernahm der Kronprinz als Oberbefehlshaber in Lothringen und im Elsaß auch das Kommando über die im Elsass aufmarschierte 7. Armee.
Aufgabe beider Armeen war es, die linke Flanke des deutschen Heeres, das mit seiner Masse (1. und 5. Armee) durch die Offensive nördlich an Verdun vorbei und durch Gelgien die große Kriegsentscheidung zu erzwingen hatte, zu schützen.
Der H.K.K. 3 hatte die Aufklärung auf St. Mihiel zu betätigen und die Sicherung des Aufmarsches der 6. Armee zu übernehmen.
7. K.D. und B.K.D. waren für den Grenzschutz dem XXI. A.K. unterstellt, das letzterer den Abschnitt Chateau Salins-Avricourt überwies.
An der Spitze der B.K.D. (1.K.B. (1. u. 2. Schw. R.R.), 4. K.B. (1. u.2. U.R.), 5. K.B. (1. u. 6. Chev.R.), R/5. F.A. mit 1. M.K., 1. M.G.A., Pi.A., N.A., K.Kr.K. 1; zeitweise zugeteilt 1. u. 2. Jg.Btl. mit Radf.Komp.) stand Generalleutnant von Stetten, als mehrjähriger Waffeninspekteur in der bayerischen Reiterei wohlbekannt, von Offizier wie Mann in gleicher Weise verehrt, ein hervorragender Kavallerieführer von großer Kriegserfahrung.
Die B.K.D. war am Abend des 5. August vollzählig und gefechtsbereit nach langer Bahnfahrt in und um Bendorf bei Dieuze ausgeladen worden und trat am Morgen des 6. August den Vormarsch über Chateau-Salins an die Grenze an.
Noch am gleichen Tage kam es auf den Höhen östlich Vic zu einem Artilleriegefecht, in dessen Verlauf die R/5. F.A. die ersten Verluste zu beklagen hatte. Auch die 7. K.D. hatte Patrouillenzusammenstöße an der Grenze in Richtung Blamont.
Unsere Patrouillen stießen überall auf starken französischen Grenzschutz, der das Gelände sorgfältig ausnutzend, allerlei Kriegslisten wie Überfälle anwandte oder unbesetzte Barrikaden vortäuschte, wurden heftig beschossen und vielfach von größeren Abteilungen bis zur Eskadronsstärke gejagt. Die Masse der feindlichen Kavallerie wich dem von uns gesuchten Kampf geschickt aus uns verkroch sich hinter ihre Infanterie, die unserer Aufklärung jeglichen Einblick verwehrte.
So nahmen die bei Igney und Repaix nördlich Blamont gemeldeten französischen Kavalleriedivisionen (2. und 10.) den von der Avricourt vereinigten B.K.D. und 7. K.D. gesuchten Reiterkampf am 8. August nicht an, sondern zogen sich unter dem Schutz des Forts Manonviller, östliche Luneville, zurück. Bei der Verfolgung geriet die B.K.D. in das schwere Fernfeuer des Sperrforts, ohne Verluste zu erleiden.
Auch am 9. August gelang es nicht, die feindliche Kavallerie zu fassen. Nur der 7. K.D. glückte es bei St. Martin, Teile der bei Veho gemeldeten Kavallerie unter Artilleriefeuer zu nehmen, worauf der Gegner sich zurückzog.
Am 10. August wurde die 8. K.D. auf den äußerten rechten Armeeflügel in die Gegend von Solgne nordöstlich Pont-a-Mousson gezogen, um hier die weitere Aufklärung zu übernehmen.
Die weitgesteckten Aufklärungsziele de H.K.K. 3 waren trotz der gewaltigen Anstrengungen, die während der überaus heißen Augusttage an Roß und Reiter gestellt wurden, nicht erreicht worden. Eingeengt durch die Befestigungen der französischen Ostfront konne die Masse der drei Kavalleriedivisionen über die Linie Solgne (8. K.D.) - Salonnes - Lagarde (B.K.D.) - Igney (7. K.D.) nur südlich des Rhein-Marne-Kanals vorübergehend vorstoßen. Vor der Front der B.K.D. hatten auch die am 7. August in den Raum zwischen Nancy - Baccarat vorgetriebenen Aufklärungseskadrons Mühlhäuser (2. U.R.) und Kreß (1. Chev.R.) bis zum 10. August nirgends über die Linie Salonnes - Xanrey - Lagarde vordringen können. Lediglich Radfahrerabteilungen und Befestigungsarbeiten in Gegend Rechicourt la Retite konnten von ihnen einwandfrei gemeldet werden. Infanterietruppenteile mit Nummern, welche die Zusammensetzung des Gegners erkenn ließen, waren noch nicht festgestellt worden. Wenn sich auch die feindliche Kavallerie passiv verhielt, so konnte doch die deutsche Aufklärung an keinem Punke durchstoßen. Die Hoffnung, die feinldiche Reiterei vor die deutschen Lanzen zu zwingen, schwand, wenn der raffiniert ausgebaute französische Grenzschutz nicht mit Gewalt durchbrochen wurde.
Der Kommandeur der B.K.D. beschloss daher, sich auf jeden Fall am 10. August durch eine gewaltsame Erkundung Klarheit zu verschaffen und auf Luneville vorzustoßen. Als am 10. August abends eine französische gemischte Brigade (59. fr. I.B. der 2. fr. K.D. zugeteilt) in der gleichen Absicht der deutschen Grenzschutzabteilung der 42. I.D. (8. I.R./131) das hart an der Grenze gelegene Dorf Lagarde entriss, wurde dies als Zeichen erwachender Initiative angesichts unserer negativen Aufklärungserfolge angesehen, die im Keime erstickt werden musste. Der sofortige Entschluß von Generalleutnant von Steffen, Lagarde wieder zu nehmen, traf mit der gleichen Absicht des Führers der 42. I.D. zusammen und so wurde für 11. August ein größerer gemeinsamer umfassender Angriff auf Lagarde verabredet. Noch in der Nacht ging der Angriffsbefehl an die in den umliegenden Orten untergebrachten Truppen hinaus.
Während die preußische 65. I.B. Kehler, der die beiden Jg.Btl. der B.K.D. unterstellt wurden, aus Linie Ley - Ommeray - Bourdennaye gegen Forst Kreuzberg - Lagarde vorging, sollten die 5. K.B. mit R/5. F.A. von Maizieres durch den Wald von Bourdonnaye unmittelbar Lagarde, zwei preußische Rdf. A. von Moussey, südlich des Rhein-Marne-Kanals aus und endlich die andere (59.) I.B. der 42. I.D., verstärkt durch F.A. 15 von Igney über Remoncourt - Vaucourt gegen Flanke und Rücken des Gegners angreifen. Im besonderen hatte das 2. Jg.Btl. (Oberstleutnant Lettenmayer) vereint mit der 8./I.R. 131 und einer Batterie F.A.R. 8 (Haubitzen) Lagarde zu nehmen.
Von der B.K.D. sollte am 11. August 8:00 vormittags die 5. K.B. (Chevaulegers) mit R/5. F.A. am Clam Gallas (südöstlich Maizieres), 4. K.B. (Ulanen) mit 1. M.G.A. nördlich Bourdonnaye, 1. K.B. (Schwere Reiter) nördlich Marimont, woselbst sich auch der Divisionsstab befand, zum Eingreifen bereit stehen. Von der Höhe des Gutshofes Marimont aus konnte Generalleutnant von Stetten die inzwischen eingenommene Bereitstellung seiner Division gut übersehen und die kurz nach 9:00 vormittags beginnende allgemeine Vorwärtsbewegung der eigenen Infanterie aus Linie Ommeray - Bourdonnaye beobachten. Das spätere Attackenfeld der Ulanenbrigade war nicht sichtbar, wohl aber lagen über dem Weiher von Ommeray hinweg die lang gestreckten Nordosthänge der Höhe 265 - somit das Gelände für das spätere Vorziehen der Ulanen - der Einsicht offen. Mit dem Fortschreiten des Infanterieangriffes eilte daher auch der Divisionsstab nach vorwärts an das Chanalholz, um besseren Einblick in das Gelände und die Lage beim Gegner gewinnen und den richteigen Augenblick zum eingreifen der sprungbereit sehenden Division in das Gefecht wahrnehmen zu können.

Das Gelände, auf dem sich die Attacke am 11. August abspielte, wird im Norden von dem nördlich Bourdonnaye beginnenden gegen Ommeray sich hinziehenden sumpfigen Grund des Weihers von Ommeray, im Osten von der hart am Chanalholz vorbeiführenden Straße Bourdonnaye - Lagarde, im Süden von der Ortschaft Lagarde und dem Rhein-Marne-Kanal, im Westen endlich durch die gegen Ommeray flach auslaufende, gegen Xures dich bewaldete Höhe 281 des Staatswaldes Kreuzberg begrenzt. Dieser bildet über die Höhe 265 nach Osten streichend mit dem Chanalholz einen zusammenhängenden Höhenrücken, der südlich des Wäldchens in der deutlich hervortretenden Höhe 282 seine größte Erhebung hat. Von seiner Mitte, da wo die für die Attacke wichtige Straße Ommeray - Lagarde die Höhe 265 überschreitet, zweigt er einen Ableger nach Süden ab, der in die etwas überhöhende Kuppe 266 (500 m nordwestlich Lagarde) ausläuft und in einen Steilabfall längs der Straße Xures - Lagarde endet.
Die Höhenlinie 281 - 265 - 282, die nach beiden Seiten verschiedene Mulden abzweigt, teilt Gelände und Gefechtshandlung in zwei Abschnitte.
Der für die anreitende Ulanenbrigade zunächst in Betracht kommende nördliche Geländeabschnitt beginnt mit dem sumpfigen Wiesengrund des Weihers von Ommeray, der unmittelbar nördlich Bourdonnaye überschritten werden musste und den ersten Aufenthalt bereitete. Anschließend daran folgen südlich des Weihers Viehweiden, die durch Drahtzäune abgeteilt waren und durch zahlreiche sumpfige Abzugsgräben, Hecken und Zäune ein geschlossenes Reiten unmöglich machten sowie zu unliebsamen Aufenthalten und Umgehungen zwangen. Erst auf den nördlichen Ausläufern der Höhe 265 westlich des Chanalholzes wurde der Boden wieder fest und trocken. Auf den nun beginnenden Feldern stand zur Zeit der Attacke das Korn zur Ernte bereit und bot eigener und feindlicher Infanterie willkommene Deckung. Breitstellung und Truppenbewegungen waren auf dem Nordhang des ganzen Höhenzuges vom Gegner uneingesehen. Mit dem Überschreiten der Höhenlinie 265 - 282 kam man zunächst in volle Sicht der feindlichen Infanterie, die etwa 800 m südlich 265 in Feuerstellung lag. Deckung war erst wieder in den verschiedenen Mulden unmittelbar westlich und nordwestlich der Rückfallkuppe 266 vorhanden, da wo auch die feindliche Artillerie in gedeckter Stellung aufgefahren war.
Die südliche 265 beginnende große flache abfallende Mulde zwischen Forst Kreuzberg und Verbindungsweg Ommeray - Lagarde wurde das eigentliche Attackenfeld. Sie bestand in ihrem oberen Teil aus Getreidefeldern, die teils abgeerntet, teils noch bestanden waren und von Drahtzäunen und Stolperdrähten durchzogen wurden. In ihrem unteren Teil mündet sie beim Schleusenwärterhaus am Kanal in einen mit Hecken bestandenen Wiesengrund, während sie gegen Lagarde die schon erwähnte Kuppe 266 bildet.
Das ganze wellenförmige muldenreiche Gelände bietet zwar in seinem ersten Teil für das Vorwärtskommen geschlossener Kavallerie erhebliche Schwierigkeiten, gestattet aber bis zur Entwicklung zur Attacke eine gedeckte, verlustlose Annäherung. Das jenseits des Höhenrückens befindliche Attackenfeld lag im feindlichen Feuer und konnte daher vorher nicht erkundet werden. Es wurde von mehreren quer laufenden, überwachsenen Gräben durchzogen, die infolge des aufgewirbelten Staubes zahlreiche Stürze verursachten und endigte in einem über 3 m tiefen Steilhang, der, mit Hecken bewachsen, sich längs der Straße Xures - Lagarde hinzog.

Wie in den vorausgegangenen Tagen verhieß die strahlend aufgehende Sonne des 11. August einen klaren, windstillen Tag mit außergewöhnlicher Hitze. Die drei Brigaden der B.K.D. stellten sich 7:00 vormittags in den ihnen zugewiesenen Versammlungsräumen bereit. Aus dem überfüllten Bourdonnaye, wo die beiden Ulanenregimenter (1. U.R. "Kaiser Wilhelm II., König von Preußen", Standort Bamberg. - 2. U.R. "König", Standort Ansbach) eine äußerst enge und unruhige Unterkunft gefunden hatten, ritten sie teils auf der Straße, teils querfeldein, auf Höhe nordöstliche Bourdonnaye, hinter der die Brigade um 8:00 vormittags, Front und gedeckt nach Südwesten, sammelte. Sie führte ihr Brigadekommandeur Generalmajor Frhr. von Redwitz und seine beiden Regimentskommandeure Oberst Frhr. von Crailshaim (1. U.R.) und Major von Faber du Faur (2. U.R.).
Kurz nach 9:00 vormittags traf die Infanterie aus Linie Ley - Ommeray - Bourdonnaye zum Angriff an und bald war der Kampf im Gange. Auch die 5. K.B. mit R/5. F.A. war um diese Zeit an den Wald von Bourdonnaye vorgezogen worden. Während die Bataillone der 65. I.B. über die Höhe 265 vordrangen, erhielt das 2. Jg.Btl., als es um 10:00 vormittags durch das Chanalholz vorging, heftiges Feuer feindlicher Batterien, die unter dem Schutze vorgeschobener Infanterielinien, gedeckt offenbar nordwestliche Höhe 266 (500 m nordwestlich Lagarde) standen. Entlastet durch die nun eingreifende eigene Artillerie gewannen die Jäger rasch nach vorwärts Raum, erreichten mit den drei vordersten Kompagnien, 2./2. Jg.Btl. und 8./I.R. 131 hinter der Mitte gestaffelt, gegen 10:30 vormittags die Höhe 282 und nahmen den Feuerkampf auf. Hier, etwa 1000 m vor Lagarde, mussten die von Hitze und Durst erschöpften Schützen unter heftigem ziemliche Verluste verursachenden feindlichen Feuer liegen bleiben, sie waren vorerst ohne Unterstützung nicht imstande, den Angriff weiter vorzutragen.
Der Ortsrand von Lagarde war durch Drahtgitter, Zäune, Holzstöße unpassierbar gemacht, aufgelegte Käppis und Tornister auf den Mauern täuschten starke Besetzung vor, während sich die Schützen und Reserven in den Häusern dahinter eingenistet hatten. Vom Kirchturm herab knatterten Maschinengewehre. Ebenso schien der Friedhof, der Westeingang und anschließend der Kanal besetzt zu sein.
Die 5./pr. F.A.R. 8 war auf Höhe 274 (südlich Bourdonnaye) aufgefahren und Hatte, unterstützt von der kurz nach 10:00 vormittags am Westrand des Waldes von Bourdonnaye (1. Stellung) abgeprotzten 1. R/5. F.A. den Kampf mit der französischen Artillerie aufgenommen und deren Feuer auf die vorgehenden Jäger auf sich gezogen.
Als die Feuerüberlegenheit über die feindliche Artillerie am Kreuzberg erreicht schien, wurden gegen Mittag die zugeteilte Batterie des pr. F.A.R. 8 und die R./5. F.A. (ohne 1. Batterie) auf Höhe 282 (1200 m nordöstlich Lagarde) vorgezogen und nahmen das Dorf unter direktes Feuer. Ganze Schützenketten der Franzosen wurden von den Schrapnells niedergemäht, die "Wirkung im Ziel" war gut zu beobachten.

Zum Zeitpunkt der Attacke (11:30 vormittags) war die Lage folgende:

Die vorderste Schützenlinie der Franzosen dehnte sich im Halbkreis etwa 800 m südlich Höhe 265 beginnend, in südöstlicher Richtung gegen den Friedhof von Lagarde, der als Stützpunkt befestigt war und hinter seinen Mauern starke Reserven verbarg, aus. Anschließend daran setzte sich die Schützenlinie nach Osten in weitem Bogen um die Ortschaft etwa 50 m vorgeschoben bis zum Kanal fort. Der Gegner hatte an verschiedenen Stellen Gräben ausgehoben und diese durch Drahthindernisse verstärkt. Den zu fuß vorfühlenden Patrouillen 1. Chev.R. (5./1. Chev.R., die zur Sicherung der 5. KB. gegen Höhe 282 vorgeschoben war, wurde, als die Infanterie vorging, zurückgezogen) schlug überall heftiges Feuer entgegen. Der Ortsrand von Lagarde selbst war zur hartnäckigen Verteidigung eingerichtet und stark besetzt.
Von der feindlichen Artillerie stand eine Gruppe am Ostrand des Staatswaldes Kreuzberg und eine weitere gedeckt in der Mulde nordwestlich Höhe 266. Die erstere wurde von unserer Artillerie bald erkannt und gegen 10:30 vormittags durch das vereinigte Feuer der R/5. F.A. und der 5./F.A.R. 8 zum zeitweisen Schweigen gebracht. Die gedeckt stehende zweite Artilleriegruppe war noch kampfkräftig. Ihr Feuer lag auf dem linken flügel der auf Lagarde angesetzten Jäger und Lähmte deren Vorwärtskommen. Sie feuerte auch noch, als sie von den 2. Ulanen durchritten wurde.
Die eigene dünne Infanterielinie lag mit dem rechten Flügel an der Straße Ommeray - Lagarde ungefähr 500 m südliche Höhe 265 und zog sich über Höhe 282 bis zum Kanal. Die Schützen waren durch das bereits über drei Stunden dauernde heftige Gefecht vollständig erschöpft und außerstande, den Angriff ohne Impuls von außen weiter vorzutragen. Sie blieben in den erreichten Stellungen auf der Höhe liegen, von heftigem Artillerie- und Infanteriefeuer niedergehalten. Am Westrand des Forste Dieuze (1000 m südöstlich Lagarde) setzte lebhaftes Feuer der pr. Radfahrerabteilungen ein, die südlich des Kanals über die Ziegelei (600 m südlich Lagarde) vorgingen.
Die Schwere Reiterbrigade wurde um 11:00 vormittags als zweites Treffen der B.K.D. im langen Galopp durch Bourdonnaye nach Ommeray vorgezogen, kam aber, durch Geländehindernisse aufgehalten, nicht mehr zum Eingreifen.
R/5. F.A. (ohne 1. Batterie) beschoss von Höhe 282 feindliche Infanterie bei Ort und Friedhof Lagarde.

Lebhafter Gefechtslärm aus Richtung Lagarde ließ die ruhenden Ulanen kurz vor 9:00 vormittags plötzlich aufhorchen. Der Infanterieangriff begann! In das helle Geknatter des Infanteriefeuers mischte sich der Abschuss der Geschütze, das Heulen ihrer die Luft zerreißender Geschosse, das jähe Krachen der platzenden Granaten und das Zischen der in der Luft zerspringenden Schrapnells. Auf einmal schlägt eine Granate mit wildem Krach in die unmittelbare Nähe der abgesessenen Brigade ein. Mehrere Schrapnells platzen in rascher Folge über ihren Köpfen, ohne jedoch Schaden anzurichten. Alles springt auf, die Pferde sind schwer zu beruhigen. Man weiß nicht, waren es Weitgänger oder wurde die Brigade von feindlicher Artillerie auf dem Kreuzberg eingesehen? Ein geringer Stellungswechsel schien angezeigt, um unnötige Verluste zu vermeiden.
Bald nach 10:00 vormittags war der vom Staatswald Kreuzberg über 265 zum Chanalholz streichende Höhenrücken in den Händen der angreifenden Infanterie und Jäger. Um die B.K.D. zum Eingreifen in das Gefecht zur Hand zu haben, wurde gegen 10:15 vormittags zunächst die Ulanenbrigade an den Nordwestrand des Chanalholzes vorgezogen, wohin sich auch der Divisionsstab im Galopp begab. Die Schwere Reiterbrigade folgte über Bourdonnaye.
Die Bewegung sollte zunächst in Brigadezugkolonne im Trabe, 2. U.R. voraus, ausgeführt werden. Dies erwies sich jedoch als unmöglich, da zahlreiche Drahtzäune der einzelnen Viehweiden und sumpfige Gräben das Gelände durchschnitten und unvermeidlichen Aufenthalt verursachten. Der Brigadekommandeur ordnete daher an, dass die einzelnen Eskadrons schachbrettartig entfaltet selbständig den Weg durch die Hindernisse suchen sollten, zumal man auch mit feindlichem Artilleriefeuer rechnen konnte. Trotzdem verursachten stürzende Pferde, die ungenügende Ausstattung der Truppe mit Drahtscheren zum Durchschneiden der Umzäunungen größere Stockungen und zwangen die Eskadrons abwechselnd Schritt und Galopp zu reiten, um die befohlenden Plätze einzuhalten. Die Pferde regten sich auf und schwitzten infolge der drückenden Hitze außerordentlich. General von Redwitz selbst eilte zur Orientierung über die Lage an die Nordspitze des Chanalholzes voraus. Vom Feind war nur eine schwache Infanterielinie nordöstlich Lagarde in den Getreidefeldern zu sehen. Das Infanteriefeuer war unregelmäßig, das eigene Artilleriefeuer lag verstärkt auf dem Ostrand des Staatswaldes Kreuzberg. Das feindliche Artilleriefeuer setzte zeitweilig aus und erschwerte so die Feststellung der Batterien. Der schon vorher am Chanalholz eingetroffene Divisionskommandeur hatte inzwischen 10:15 vormittags infolge persönlicher Erkundung von der Südwestspitze des Chanalholzes aus das Zurückgehen einzelner feindlicher Schützengruppen über Höhe 266 erkannt und von der Lage den Eindruck gewonnen, dass der Feind abzubauen und nördlich des Kanals auf Xures zurückzugehen beginne. Offenbar wurde das Vorgehen der 59. I.B. über Rmoncourt bereits wirksam. Jetzt galt es, den Angriff der eigenen Infanterie neu zu beleben und die zwischen Lagarde und Xures noch stehenden Batterien zu nehmen, bevor sie abfahren konnten. Letzteres zu verhindern war nur durch eine Attacke möglich. Das Gelände erschien zwar nicht sehr günstig, ermöglichte aber gedecktes Hervorbrechen in die feindliche Flanke. Die Ulanenbrigade war zur Stelle und ausreichen für diese Aufgabe.
Der Brigade entgegen reitend, trifft 11:35 vormittags Generalleutnant von Stetten am Nordwestrand des Chanalholzes den Brigadekommandeur, der schon mündlich über die Absicht der Division unterrichtet war und erteilt ihm folgenden Befehl: "Die französische Infanterie ist bereits im Zurückgehen. Ulanenbrigade verhindert das Abfahren der französischen Batterien, die gedeckt nordwestlich Lagarde stehen. Eile geboten!"
Der Ordonnanzoffizier der Brigade, Oberleutnant von Le Suire (1. U.R.), wird gleichzeitig vom Divisionskommandeur beordert, die bei Maizieres zurückgelassene Maschinengewehrabteilung über Bourdonnaye an der Südwestspitze des Chanalholzes beschleunigt heranzuholen. diese vermochte jedoch das Gefechtsfeld nicht mehr rechtzeitig zu erreichen, um bei der Attacke mitzuwirken.
Vergeblich versuchte der Brigadestab auf einen westlich vorliegenden Höhenrücken vorgaloppierend Einblick in die feindliche Artillerie im Grunde zu finden, die dringliche taktische Lage und der wiederholte Ansporn zur Eile durch die Division ließ keine Zeit mehr zum abgesessenen Beobachten. General von Redwitz eilte nun auf die Höhe 265, indem er gleichzeitig der Brigade den Befehl sandte, auf den Nordostabfall dieser Höhe zu folgen, um so dem Gegner die linke Flanke abzugewinnen und den Feuerbereich der eigenen Infanterie zu vermeiden. Hier endlich glaubte er, die feindliche Artillerie in den Haferfeldern erkennen zu können. Sofort jagten Ordonnanzoffiziere mit dem Befehl zurück, die Regimentskommandeure sollten vorkommen, die Brigade nördlich 265 Regimenterweise nach Süden einschwenken.
Die Ulanenbrigade hatte inzwischen den Grund von Ommeray überschritten, am Hange westlich des Chanalholzes Doppelkolonne in Regimentern, 2. U.R. voraus, gebildet und trabte gedeckt auf dampfenden Pferden, aber in schönster Ordnung in der südwärts streichenden Mulde, Richtung 265 - Nordostecke Staatswald - Kreuzberg, vor. Die Ulanen wussten bis jetzt nur, sie würden vorgezogen, um bei der Entscheidung bei der Hand zu sein. Als jedoch der Ordonnanzoffizier der Division Rittmeister Fürst Wrede (2. U.R.) den erneuten eiligen Angriffsbefehl der Division: "Attacke auf die über 266 zurückgehende Infanterie und Artillerie, Form wie sie gerade ist" dem Brigadekommandeur überbrachte, rief er vorbeijagend dem Kommandeur 1. U.R. zu: "Ich gratuliere, Herr Oberst, die Brigade soll attackieren." Dies wurde rasch bekannt.
Während des Herüberziehens der Brigade hatte der vorausbefindliche Kommandeur 2. U.R. seinen Ordonnanzoffizier Oberleutnant Rizzi über über 265 zu der unter feindlichem Feuer festliegenden preußischen Infanterie entsandt, um sich über die gegenwärtige Gefechtslage zu orientieren. Die Höhe 265 lag bereits im heftigen Strichfeuer, längeres Verweilen zu Pferde war dort selbst unmöglich. Bei der vorwärts liegenden Infanterie erfuhr der Ordonnanzoffizier, dass der Ortsrand von Lagarde schwach, der Kanal und die Ortseingänge noch stark vom Gegner besetzt, das Vorgelände unmittelbar nördlich Lagarde vom Feinde frei sei. Die Regimentskommandeure waren inzwischen Beim Brigadekommandeur auf 265 eingetroffen, zu eingehender Erkundung und Besprechung blieb jedoch keine Zeit, die zischenden Infanteriegeschosse des aufmerksam gewordenen Gegners verwundeten sofort das Pferd des Ordonnanzoffiziers der Brigade erheblich und zwangen zum Stellungswechsel und schnellem Handeln. Im gleichen Moment, als Major von Faber die Meldung des eben eintreffenden Ordonnanzoffiziers dem Brigadekommandeur zurief, gab dieser mit dem Säbel auf die Höhe 266 (500 m nordwestlich Lagarde) zeigen den Befehl: "Attacke auf Infanterie und Artillerie, die Regimenter nebeneinander und in sich gegliedert. In dieser Richtung selbstständig Ziele suchen!" Das vorausreitende 2. U.R. überschritt soeben die Straße Ommeray - Lagarde, das 1. U.R. befand sich noch östlich derselben, als ein Brigadebefehl eintraf, dessen Wortlaut gewesen sein soll: "Angriff auf zurückgehende Infanterie, allgemeine Richtung wird vom Brigadekommandeur mit dem Säbel gewiesen!" Beide Regimenter hatten nördlich 265 mit Teten links geschwenkt und Front nach Süden erhalten. Die Eskadrons nahmen Entwicklungszwischenraum. Das 2. U.R. trat beim Überschreiten der Straße und der gleichzeitigen Tetendrehung in den bestandenen Feldern überraschend auf Drahtzäune, wurde aufgehalten und dadurch zunächst etwas rechts gestaffelt.

Vom 1. U.R. waren
        1. Esk. (Rittmeister Frhr. von Feury),
        2. Esk. (Rittmeister Frhr. v. Lilgenau),
        4. Esk. (Rittmeister Wieser),
vom 2. U.R. waren
        2. Esk. (Rittmeister Frhr. von Leoprechting),
        3. Esk. (Rittmeister Paraquin)
        4. Esk. (Rittmeister von Kiliani)
verfügbar.

5./1. U.R. und 1./2. U.R waren zu Aufklärungszwecken entsandt.

Das 1. U.R entwickelte sich zum Angriff auf Infanterie mit 4. Esk. (Wieser) rechts, 1. Esk. (Feury) links als erstes Treffen, die Eskadrons in zwei Wellen, geöffnete Glieder, 3. Esk. (Lilgenau) zunächst als zweites Treffen dahinter.
Mit Rücksicht auf gefährliche Überraschungen, die das unübersichtliche Attackengelände bringen konnte, begleitete der Brigadekommandeur mit seinem Stabe die Attacke unmittelbar hinter der Mitte der als erstes Treffen eingliedrig formierten Eskadrons, in der Absicht, sich hierdurch vermehrte Einwirkung auf die Truppe zu wahren.
Das 2. U.R. bildete, der Regimentskommandeur mit Stab vor der Mitte, in der Tetendrehung Eskadronskolonnen, voraus 3. Esk. (Paraauin) und 4. Esk. (Kiliani) nebeneinander, ebenfalls in zwei Wellen zum Angriff auf Infanterie gegliedert und gewann im Vorwärtsgaloppieren Anschluss an das links vorbrechende Schwesterregiment; 2. Esk. (Leoprechting) folgte in Zugkolonne rechts seitwärts gestaffelt als zweites Treffen.
Der Divisionsstab schloss sich der Attacke hinter dem Regiment an.
Noch in der Entwicklung wurde der Befehl zum Galopp gegeben. Der Aufmarsch erfolgte großenteils im stärkeren Galopp, anreiten und Richtungsangabe durch Säbelzeichen. Vom Gegner war noch nichts zu sehen. Im langen Galopp brachen die Ulanen über die Höhe 265 vor.
Vom 1. U.R. wurde die zuerst den Höhenrücken überreitende linke Flügeleskadron (Feury) durch entgegenprasselndes Maschinengewehrfeuer veranlasst, etwas nach Südosten abgezogen. Sie allein nahm die Richtung östlich des Weges Ommeray - Lagarde auf die Nordwestecke von Lagarde. Die 4. Esk. (Wieser) ritt westlich dieser Straße genau nach Süden. Die dadurch entstehende Lücke wurde sofort auf Befehl des Oberst von Crailshaim durch die als zweites Treffen bestimmte 3. Esk (Lilgenau) aufgefüllt. Der Kommandeur mit Stab setzte sich selbst vor diese Eskadron, mit dem Säbel die Richtung auf 266 weisend. Das ganze Regiment ritt so mit drei Eskadrons in einem Treffen, das naturgemäß nicht aligniert war, im zügigen Galopp auf die gegenüberliegende feindliche Infanterie an.
Das 2. U.R. war bei der Entwicklung in schwieriges Gelände gekommen. Aufklärer konnten wegen Zeitmangels ebenso wenig wie beim Schwesterregiment vorgeschickt werden. Die 3. Esk. (Paraquin) nahm, dem Regimentsstab folgend, Richtung nach Süden auf Kuppe 266, die 4. Esk. (Kiliani) folgte rechts anschließend eingliedrig, traf sofort auf zwei quer laufende Gräben, wodurch viele Pferde stürzten. Sie musste in verstärktem Tempo aufholen. Die gestaffelte 2. Esk. (Leoprechting) war nach der Tetendrehung und dem Passieren des Weges Ommeray - Lagarde noch in westlicher Richtung weiter geritten, um mehr in die Flanke zu kommen und folgte, gedeckt durch eine Mulde, dem anreitenden Regiment auf etwa 800 m seitwärts rückwärts am Ostrand des Forstes Kreuzberg vorbei, Richtung auf das Schleusenwärterhaus. Sie ritt die Attacke selbstständig.
Gleich nach dem Vorbrechen über die Höhe 265 wurde eine Schützenlinie des I.R. 131 mit wehender Fahne durchritten, welche die bayerischen Reiter mit begeisterten Zurufen begrüßten.
Kaum war diese Linie passiert, so preschten die Ulanen im verstärkten Galopp mit eingelegter Lanze unter brausendem Hurra knapp 1000 m südlich 265 durch feindliche Schützen hindurch, die weit zerstreut im hohen Getreide verborgen lagen. Jetzt endlich konnten sie von ihrer Lanze Gebrauch machen und sie taten es ausgiebig. Wer Widerstand leistete, wurde niedergestochen, diejenigen jedoch, die sich beim Durchreiten tot gestellt und hinterlistigerweise den Ulanen nachgeschossen hatten, wurden von gestürzten Reitern und solchen, denen die Pferde erschossen waren, mit dem Karabiner erledigt. Der größte Teil der Franzosen (Südfranzosen) ergab sich mit erhobenen Händen und angstverzerrten Gesichtern, viele versuchten ganz verstört zu fliehen mit der Rufe: "Sauve qui peut!"
Nachdem die feindliche Infanterie durchritten war, trafen die Eskadrons des 2. U.R. und auch Teile der 4. und 3./1. U.R. überraschend auf zwei Batterien, die auseinander gezogen und gestaffelt gedeckt in den Mulden nördlich und westlich 266 standen. Während die Flügelgeschütze der östlichen Gruppe, größtenteils von der Bedienung verlassen, nicht mehr feuerten, war die westliche Gruppe noch Kampfkräftig und wurde von der Mannschaft zäh verteidigt. diese beiden Batterien trafen die attackierenden Eskadrons der Königsulanen rein in die Flanke. Der Regimentsstab als erster durchritt die noch feuernde westliche Gruppe (Die Spende des Grafen Löwenstein-Scharffenek, die dem bayerischen Truppenteil zufallen sollte, der die ersten Geschütze eroberte, wurde den Königsulanen zuerkannt.) und ließ der nachfolgenden Eskadron Paraquin durch den Ordonnanzoffizier Oberleutnant Rizzi den Befehl überbringen, die Geschütze unbrauchbar zu machen und dort selbst zu halten. Dieser Befehl, welcher der Eskadron viele Verluste verspart hätte, kam nicht zur Durchführung, weil Rittmeister Paraquin die Artillerie für erledigt hielt und auch seine Eskadron, die im vollen Lauf daherkam, nicht mehr anhalten konnte. Die völlig überraschten Artilleristen versuchten vergeblich, die Geschütze rasch zu drehen, sie konnten aber nur noch einzelne Schüsse abgeben, dann waren schon die Ulanen mitten unter ihnen und hielten mit der Lanze blutige Ernte. Durchgehende Gespanne wurden aufgegriffen.
Die gestaffelte Eskadron Leoprechting war gedeckt ohne Schuss im langen Zugkolonnengalopp bis in den Grund nördlich des Schleusenwärterhauses gelangt, dort aufmarschiert, überraschend auf rückwärts gestaffelte Protzen und Munitionswagen der westlichen Artilleriegruppe gestoßen und hatte dieselben durchritten.

Nach der Vernichtung der französischen Infanterie in freiem Felde und Wegnahme ihrer Artillerie war hier nördlich der Kuppe 266 und am Kanal der eigentliche Attackenzweck erreicht, Verluste waren bis jetzt nicht groß. Da jedoch die einzelnen Eskadrons ziemlich auseinander gekommen, vom Kampfeifer nach vorwärts gerissen wurden, gelang es keinem der beiden Regimentskommandeure, wie beabsichtigt, ihre Eskadrons vollzählig hinter der Höhe 266 nordwestliche Lagarde zu sammeln
So traf nach dem Durchreiten der Infanterie bei dem Weiterstürmen auf Lagarde vom 1. U.R. die linke Flügeleskadron Feury auf die Nordwestecke der Ortschaft, wurde hier von heftigem Infanterie- und Maschinengewehrfeuer aus dem Friedhof empfangen und stob nach links abschwenkend durch die Vorgärten in den Ort. Durch die Brust geschossen sank ihr Führer Rittmeister Frhr. von Feury noch vor der feindlichen Infanterielinie und gleich darauf Leutnant Frhr. von Nostiz im Maschinengewehrfeuer vom Pferde.
Die rechts reitende Eskakadron Wieser war nach Durchreiten der Infanterie und Artillerie gleichfalls weitergebraust und in die Vorgärten am Osteingang von Lagarde gelangt. Sie geriet, durch den erwähnten Steilhang aufgehalten, in ein überwältigendes Feuer von Schützen aus den Gärten, vom Westrand der Ortschaft und vom Kanal und suchte sich diesem durch Ausweichen nach rechts und links zu entziehen. Ein Zug schenke gegen die feindliche Artillerie ab. Der größte Teil der Eskadron fegte, vermischt mit Ulanen der Eskadron Lilgenau und dem Brigadestab, nach Osten in die Ortschaft hinein. zu Tode getroffen fällt im Fußkampf mit vielen braven Ulanen Leutnant Prieger, schwer verwundet stürzen am Eingang von Lagarde Rittmeister Wieser und Leutnant Graf Stauffenberg aus dem Sattel.
Auch der vor der 1. und 4./1. U.R. reitende Brigadekommandeur Generalmajor Otto Frhr. von Redwitz, der die sich zusammenballenden Gruppen durch lauten Zuruf auf Lagarde lenkte, war von mehreren Schüssen schwer verwundet in den Vorgärten von Lagarde von seinem tödlich getroffenen Pferde gestürzt. Neben ihm fiel sein Adjutant Rittmeister Schöninger (7. Chev.R.), während der Ordonnanzoffizier Oberleutnant Niedermayr (2. U.R.) einen Schuss durch das Handgelenk erhielt.
Auf gleicher Höhe links anschließend an das Schwesterregiment waren die 2. Ulanen gefolgt. Ihr Attackenraum lag zwischen Kuppe 266 - Schleusenwärterhaus. Nach Durchreiten der Artillerie näherten sich die Reiterwellen beider Regimenter noch wohlgeordnet der Straße Lagarde - Xures, auf der bereits Franzosen zurückliefen. Hier hemmte der jäh zur Straße abfallende Steilhang überraschend die Wucht des Stoßes. Gleichzeitig schlug den Reitern Infanteriefeuer vom oberen Rand der Böschung in die linke Flanke. Wohl überwinden die im Frieden im Klettern vorzüglich ausgebildeten Ulanen den Teilhang und erreichen die Strasse, aber am Kanal, der die Straße südlich begleitet, bricht sich endgültig Richtung und Ordnung.
Die Eskadron Paraquin, links anschließend an das 1. U.R., war, mitgerissen von der rechts neben ihr aufmarschierten Eskadron Kiliani, nach durchreiten der Artillerie auf die Straße Lagarde - Xures weitergerast. Beide Eskadrons gelangten fast gleichzeitig an den Kanal. Eskadron Paraquin hielt hier kurz, und eben wollte der Führer in richtiger Erkenntnisse, dass der Attackenzweck erreicht sei, die Attacke beenden, als von rechts her, die Züge im Rudel hintereinander, die Eskadron Kiliani auf den starken Gefechtslärm aus Lagarde hin teils auf der Straße teils nördlich derselben dahergestürmt kam und die Eskadron Paraquin auf Lagarde mit sich riss. Linksum machend schloss sich die Eskadron Paraquin an. Eingeengt durch Straße und Kanal jagten beide Eskadrons im wirren Durcheinander, feindliche Schützen vor sich wegfegend, auf Lagarde, dabei sich noch mit Teilen der 3. und 4./1. U.R. zusammenballend. Eine gewaltige Staubsäule wälzte sich vorwärts. Waren bis jetzt die Verluste beider Regimenter nur gering gewesen, so setzten sie nunmehr erschreckend ein. Die auf dem Kirchturm von Lagarde aufstellten Maschinengewehre bestriche die ganze Straße und den Westeingang und hatten, in den Reiterknäuel sprühend, eine geradezu vernichtende Wirkung. Ross und Reiter stürzten zu Haufen. Die am Steilabhang eingenisteten französischen Schützen drehen sich um und senden von oben aus den Büschen einen Hagel von geschossen auf die vorbeirasenden Haufen. Auch die am Südufer des Kanals zurückgehenden Franzosen schicken Salven und lebhaftes Schützenfeuer herüber. Unbarmherzig tacken die Maschinengewehre. Getroffene Pferde reißen im Sturz andere mit zur Erde, andere rasen reiterlos umher, Straße und Ortseingang werden durch eine Pferde- und Menschenmauer verstopft und machen ein weiteres Eindringen zu Pferde unmöglich. Die gestürzten 2. Ulanen greifen sofort zum Karabiner, bilden Schützengruppen unter Führung von Offizieren und Unteroffizieren, eröffnen das Feuer hinter den Leibern ihrer erschossenen Pferde und dringen im erbitterten Handgemenge in die Ortschaft ein, unterstützt von nachfolgenden Kameraden. Diejenigen, die zu Pferde durch die Feuergarben gekommen waren, ritten nördlich Lagarde herum und versuchten durch den Osteingang in den Ort zu gelangen.
Furchtbar hatte auf der engen Gasse nach Lagarde der Tod gewütet. Von den vier Zugführern der Eskadron Paraquin fielen Leutnant Fauner und Vizewachtmeister Dengler zu Tode getroffen, Vizewachtmeister Heining wurde leicht verwundet, während Leutnant Löll, mit der Pistole aus dem Sattel schießend, in den Obstgärten schwer verwundet zu Boden sank. Rittmeister Paraquin selbst stürzte mit seinem tödlich getroffenen Pferd, Offizierstellvertreter Wojgeck wurde verwundet. Die Eskadron verlor von 118 Reitern allein 2 Offiziere, 63 Mann, 98 Pferde. Von einem Granatsplitter getroffen glitt dicht neben Leutnant Fauner Leutnant d. R. Dietrich von Erbmannszahl vom Pferde, während sein Chef Rittmeister von Kiliani im erbitterten Handgemenge noch in die Ortschaft eindrang und am Straßeneck, da wo die Straße nach Süden über die Brücke geht, den Heldentod fand in dem Augenblick, als er einem französischen Offizier den Säbel in die Brust stieß.
Obwohl die vier Eskadrons, die nach Lagarde hineinritten, führerlos geworden waren, blieb ihr Angriffswille ungebrochen. Ein erbitterter Häuserkampf begann im Ort, der zunächst aufhörte, als gegen 12:45 nachmittags die Jäger im Sturm in das brennende Dorf eindrangen, gefolgt von den Schützen des I.R. 131, die Ulanen mit Hurra begrüßend. Überwältigend war der jubelnde Gesang, in den alles, selbst die Verwundeten, einstimmte: "Deutschland, Deutschland über alles." Über das ganze Gefechtsfeld pflanzten sich diese erhebenden Klänge fort. Erste gegen 3:00 nachmittags endete der immer wieder aufflackernde Häuserkampf vollständig; zu einer Verfolgung des geschlagenen Feindes kam es nicht mehr.

Nicht alle Ulanen waren in die Todesgasse von Lagarde hineingeritten.
So endete die Attacke der Eskadron Lilgenau (1. U.R.) nach Durchreiten und Gefangennahme zahlreicher Franzosen hinter der Kuppe 266 (500 m nordwestlich Lagarde). Der bei dieser Eskadron reitende Oberst Frhr. von Crailshaim ließ hier Sammeln blasen. Auf dem Wege hierher war als einer der ersten Offiziere des Regiments Leutnant Frhr. von Syberg einem aus nächster Nähe abgegebenen Schuss zum Opfer gefallen.
Vom 2. U.R. hatte die Eskadron Leoprechting nach Durchreiten der Artilleriestaffelungen mit abgesessenen Ulanen das besetzte Schleusenwärterhaus gestürmt. Sie machte am Kanal Halt. Mit Ausnahme eines Vermissten waren bei der Eskadron, die 120 Gefangene einbrachte, keine Verluste eingetreten.
Auch Major von Faber du Faur, dessen Adjutant, Oberleutnant Ruttmann, schwer verwundet wurde, hielt das Attackenziel nach Wegnahme der Artillerie für erreicht und ließ in der von 266 nach Nordwesten streichenden Mulde Regimentsruf blasen.
Zu Pferd und zu Fuß kamen die Versprengten und Gestürzten, ein kleines Häuflein, das mit den Resten der Eskadron Lilgenau und Leoprechting zunächst kaum Eskadronsstärke erreichte. Notdürftig rangiert wurde diese Eskadron im Schritt in Richtung Höhe 265 zurückgeführt.
Der ganze Reiterangriff hatte sich viel schneller als man schildern kann, in der kurzen Zeit zwischen 11:35 udn 12:00 mittags abgespielt. Beim Zurückreiten erhielt die Eskadron noch heftiges, wahrscheinlich eigenes Artilleriefeier, wodurch eine Anzahl Leute getroffen wurde. Auf Höhe 265 stellte sich der Kommandeur 1. U.R. mit den bis dahin auf zwei Eskadrons angewachsenen Rest der Brigade dem dort haltenden Divisionskommandeur zur Verfügung. Er erhielt den Auftrag, so rasch als möglich auf den Kreuzbergwald (Höhe 281) zu rücken und die Deckung der rechten Flanke der gemischten Abteilung gegen bei Moncourt noch vermutete feindliche Infanterie zu übernehmen. Die Bewegung konnte infolge Erschöpfung der Pferde nur Im Trabe ausgeführt werden. Der Waldrand wurde mit Ulanen, die bald wieder von anderen Teilen der Division abgelöst wurden, besetzt, vom Gegner war jedoch außer einigen Versprengten nichts zu sehen. Die Schwere Reiterbrigade und die Maschinengewehrabteilung waren nunmehr beschleunigt über Bourdonnaye gefolgt, so dass von 1:45 nachmittags ab der Divisionsstab, die Reiterbrigade, die Maschinengewehrabteilung und die Trümmer der Ulanenbrigade auf der Höhe des Kreuzbergwaldes Zur Deckung des rechten Flügels bereit standen. Eine feindliche Batterie aus Gegend Parroy streute erfolglos die Gegend ab.
Die Chevaulegersbrigade (5. K.B.), die eine Verfolgung des in wilder überstürzter Hast fliehenden Gegners hatte übernehmen wollen, musste auf Befehl der 42. I.D. etwa um 2:00 nachmittags mit der R/5. F.A. in die Gegend von Igney rücken, um dort die linke Flanke der 59. I.B. zu decken. Nach 3:00 nachmittags folgte auf Befehl der H.K.K. 3 der Rest der B.K.D. nach, mit Ausnahme der völlig erschöpften Ulanenbrigade, die zunächst gegen 5:00 nachmittags im Raume Unter-Schirzingen - Ober-Schirzingen am Kanal tränkte und gegen 7:00 abends in Rixingen zur Ruhe überging. Der 7. und 8. K.D. hatte der 11. August keinerlei Ereignisse von Bedeutung gebracht.

Groß waren die Erfolge der Attacke gewesen. Die zurückgehende Infanterie wie der noch im Kampfe liegende linke feindliche Infanterieflügel wurde überritten, die Artillerie genommen; der Feind, in Lagarde festgehalten, konnte nur zum teil nach Süden entkommen. Die entlastet eigene Infanterie erhielt neuen Antrieb zum Vorgehen. 8 Geschütze, 6 Maschinengewehre, ein Adler und 1467 gefangene der Brigade Marailler des XV. A.K. fielen in die Hand der Sieger. Einem bei dem gefallenen Brigadegeneral gefundenen Befehl für die zweite französische Armee konnte entnommen werden, dass mindestens sechs französische Korps zwischen Toul und Epinal sammeln. Kein einziges mobiles französisches Armeekorps stand an der italienischen Grenze!
Während im ersten Teil der Attacke der Ausfall er anreitenden Eskadrons auf dem ganzen Weg bis zum Kanal, wie der nachfolgende Divisionskommandeur feststellte, nur gering war und meist nur aus gestürzten Reitern und Pferden bestand, hatten die Lanzen der feldgrauen Ulanen tüchtig unter dem Feinde aufgeräumt. Überall fielen die in den Getreidefeldern erstochen Franzosen, welche fast wie 1870/71 mit roten Hosen, weißen Gamaschen und mantelartigen langen blauen Röcken mit zurückgeschlagenen Ecken bekleidet waren, ins Auge. Die Bedienungsmannschaften lagen zwischen ihren Geschützen, so wie sie beim Laden und Richten überrascht worden waren.
Der zweite Teil des Rittes brachte feilich auch den beiden tapferen Ulanenregimentern schwere Verluste. Sie betrugen nach einer Meldung der Brigade vom 18. Juli 1917:

 

tot

verwundet

vermißt (tot)

insgesamt

O. U. M. Pf. O. U. M. Pf. O. U. M. Pf. O. U. M. Pf.
1. U.R. 4 31 29 3 61 13 - 20 87 7 112 129
2. U.R. 3 34 20 4 27 11 - 14 135 7 75 166

Außer den bereits erwähnten Ausfällen beim Brigadestab, die noch hinzutraten, wurde auch der Adjutant der Division, Major Hanemann, durch Schulterschuß verletzt. Zahlreiche Hitzschläge waren eingetreten.

Die bedeutenden Verluste im späteren Verlauf der Attacke waren wohl auch der Grund, dass der wohl gelungene Reiterangriff der Ulanen bis jetzt eine gerechte Beurteilung nicht gefunden hat. Wohl kann man der Kritik am grünen Tische zubilligen, dass Lagarde auch ohne Einsatz von Kavallerie fallen musste, sobald die 59. I.B. von Remoncourt her zum eingreifen in das Gefecht kam. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass die erschöpfte 65. I.B. den Angriff in der Mittagszeit nicht mehr vorwärts tragen konnte. Der abbröckelnde Gegner schien sich bereits der Umfassung zu entziehen. Die völlige Einkreisung des Feindes, die Wegnahme der noch nördlich des Kanals stehenden Artillerie, die Vernichtung der in und um Lagarde kämpfenden Franzosen konnte nur durch einen zeitgerecht angesetzten Angriff zu Pferde erreicht werden. Nach ruhiger Überlegung, im richtigen Augenblick wurde vom Divisionskommandeur die Ulanenbrigade mir frischem Entschluss rücksichtslos und verantwortungsfreudig eingesetzt. Die Befehle der höheren Führung waren klar, es handelte sich um Angriff auf Infanterie und Wegnahme der feindlichen Artillerie. Ein Hineinreiten in die Ortschaft Lagarde war nicht beabsichtigt. Das Attackenziel war daher mit dem Erreichen der Straße Lagarde - Xures - Kuppe 266 vollständig erreicht. Die zurückgehenden und noch im Kampfe liegenden Franzosen waren gefangen oder vernichtet, die feindliche Artillerie genommen, Lagarde selbst abgeschnitten, die Verluste bis jetzt unbedeutend. Der ganze Reiterangriff verlief bis dahin in seinem Ansatz, in der Entwicklung und Durchführung mustergültig und vorbildlich. Erst das Durchgehen der vier Eskadrons auf Lagarde selbst verursachte im zweiten teil der Attacke die schweren Verluste. Dieser Fehler ergab sich aber großenteils zwangsläufig aus dem weiteren Verlauf der Attacke; er hätte vermieden werden können, wenn den Kommandeuren vor der Attacke Zeit gegeben worden wäre, Unterführer und Truppe genau über das Attackenziel anzuweisen. Die beiden Flügeleskadrons der Kaiserulanen trafen im verstärkten Galopp auf vernichtendes Infanterie- und Maschinengewehrfeuer aus den Vorgärten der Ortschaft, die Führer fielen rasch hintereinander; sollten oder konnten die Ulanen im letzten Moment umkehren und dem feindlichen Feuer zu entkommen suchen? Oder konnte andererseits die 3. und 4. Eskadron der Königsulanen am Kanal stehen bleiben, wenn dem Schwesterregiment ein überwältigendes Feuer aus der Ortschaft entgegenschlug, ohne zu Hilfe zu eilen? Beides hätte der Überlieferung und dem Geiste der Regimenter widersprochen, Nur da, wo die beiden Regimentskommandeure persönlich eingreifen konnten, gelang es, die Rest der Regimenter zurückzuhalten und zu sammeln.
Größer noch als der taktische Erfolg der Attacke war der moralische. Lagarde war eines der ersten siegreich bestandenen Gefechte des Weltkrieges. Stundenlanger hartnäckiger Artillerie- und Infanteriekampf war vom Glorienschein einer die Entscheidung bringenden Reiterattacke umstrahlt. In treuer Waffenbrüderschaft hatten bayerische Ulanen die schwer kämpfende Schwesterwaffe im kritischen Augenblick entlastet und ihr todesmutig den Weg zum Sieg gebahnt.
 

 

 

 


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Zuletzt geändert: Montag, 29 April 2013