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Kurland Trail 2008
Im Mai 2008 war
es wieder einmal so weit, dass der Reitverein Günzburg sich mit einer wackeren
Schar von 12 Reitern aufmachte, einen Reit-Trail im Osten Europas durchzuführen.
Ziel war diesmal Kurland – lettisch Kurzeme – der westliche Landesteil von
Lettland im Baltikum. Wer weiß heute noch, dass Kurland wie große Teile des
Baltikums zum Deutschen Ordenstaats gehörten, dass es als Herzogtum im 17. und
18. Jahrhundert lose zu Polen gehörte und in dieser Zeit Kolonien in Afrika und
der Karibik unterhielt, dass es im 19. Jahrhundert zusammen mit dem Rest von
Lettland und Estland als die „deutschen Provinzen“ im Zarenreich bezeichnet
wurden?
Auf jeden Fall war es diesmal völliges Neuland, da vorher noch niemand einen
solches Reitabenteuer in dieser Gegend durchgeführt hatte und die Planung nur
auf Grundlage der Karte gemacht werden konnte. Kurland versprach mit seinen
ausgedehnten Wäldern und seiner langen, unberührten Ostseeküste, aber auch
seiner vielfältigen Geschichte mit deutschen Spuren ein besonderes Erlebnis.
Eigens aus Polen mussten die Pferde für den Trail antransportiert werden.
Ausgangspunkt war das alte deutsche Adelsschloss von Dundaga (dt. Dondangen) im
nördlichen Landesinneren, von dem es auf polnischen Halbblütern und Trakehnern
bei einer Tagesleistung von 5 – 7 Stunden durch ausgedehnte Wälder nach Westen
an die Ostseeküste ging. Nach zwei Tagen wurde diese nördlich Ventspils (dt.
Windau) erreicht und die Günzburger erlebten in den nächsten Tagen eine
traumhafte Küstenlandschaft. Die Ostseeküste Kurlands ist einer der längsten
Sandstrände Europas und vor allem einer der unberührtesten. Hier liegt das
historische Siedlungsgebiet der Liven, einem der Esten und Finnen verwandten
Volksstamm, der heute noch etwa 200 Köpfe zählt. Während er Zeit der
Sowjetunion striktes militärisches Sperrgebiet, ist dieser Küstenabschnitt heute
fast menschenleer. Der Anblick ist überwältigend. Hinter einer hohen Düne liegt
der Sandstrand, gegen den die Ostsee ihre Wellen schlägt. Das Meer und der
Strand sind ein einmaliges Erlebnis. Vor und hinter den Reitern der schier
endlose Küstensaum mit dem Waldrand, nirgends Spuren von Menschen oder der
Zivilisation. Wären nicht ab und zu Schiffe auf der Nordsee zu sehen, könnte man
meinen, man sei in die Zeit des Mittelalters versetzt.
Der etwa 100 Meter breite Strand ist ideal für lange Galoppaden. Hier zeigt sich
der hohe Vollblutanteil der Pferde, die nicht müde werden. Die nächsten Tage
wird meist am Strand 70 km die Küste nach Norden geritten. Wird im Schritt
geführt, finden die Reiter viel Bernstein an der Wasserlinie des Meeres.
Übernachtet wird in den verschlafenen livischen Dörfern, die hinter der
Stranddüne im Wald versteckt sind. Sie bestehen aus liebevoll gepflegten und
bunt bemalten Holzhäusern. Allerdings leben hier in einem Dorf im Sommer nicht
mehr als 20 Personen, im Winter sind es dann nur um die fünf. Gegessen wir
meist am Lagerfeuer, wo unser Tross in Eisenkesseln, die ins Feuer gestellt
werden, die Verpflegung zubereiten.
Ein weiteres Zeichen der unberührten Natur sind Elchspuren, die vom Wald ans
Meer führen. Die Elche leben in den moorigen Wäldern und nutzen das Meerwasser
vor allem während der Aufzuchtzeit zur Salzaufnahme.
Am der Mündung des kleinen Flusses Irbe bietet sich eine traumhafte Szene. Das
dunkelblaue Wasser der Irbe hebt sich malerisch vom weißen Strand und dem grünen
Waldsaum dahinter ab.
Am Kap Kolka, dem nordlichsten Zipfel von Kurland trifft die Ostsee mit dem
Riger Bucht zusammen. Im seichten Wasser kann man sehen, wie die Wellen sich aus
West und Ost treffen.
Auf der anderen Seite von Kap Kolka ändert sich die Küstenlandschaft. Das Wasser
ist immer noch seicht, doch ist der Strand nun nur noch 2 bis 10 Meter breit und
teilweise reichen umgestürzte Bäume bis ins Meer und müssen durchs Wasser
umritten werden.
Das Gelände bietet sich wieder an für ausgedehnte Galoppaden teils durch
seichtes Wasser und über ins Meer führende Bäche. Die Pferde habe eine schier
endlose Kondition und das strahlende Wetter mit durchschnittlich 10 bis 12 Grad
ist ideales Reitwetter.
Nach 7 Reittagen, davon 5 am Meer werden die Pferde südlich des Küstenstädtchens
Roia wieder für den Rücktransport nach Polen verladen.
Hinter
den Günzburgern liegen unvergessliche Tage in einer herrlichen, unberührten
Küstenlandschaft. Voll beladen mit bleibenden Erinnerungen geht’s auf den
Heimflug über Riga.
 
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