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Das Königlich Bayerische 1. Ulanen-Regiment "Kaiser Wilhelm II. König von Preußen"
Anfänge Im Rußlandfeldzug Napoleons von 1812, in
dem Bayern als Verbündeter Frankreichs Truppenfolge leisten musste, war die
tapfere bayerische Armee fast vollständig vernichtet worden. Im Frühjahr und
Sommer 1813 wurde das bayerische Heer neu aufgestellt und in seiner
Stärke vermehrt, um für den Wechsel auf die Seite der Feinde Napoleons
vorbereitet zu sein. In diesem Zuge schlug der bayerische Staatsminister Graf Montgelas vor, ein für Bayern neuartiges Kavallerieregiment mit neuer, besserer
Uniformierung und Bewaffnung aufzustellen. Zu dieser Zeit hatte die bayerische Armee nur
leichte Kavallerie in Form der Chevauleger-Regimenter. Am 19. August 1813
wurde deshalb das Kgl. Bayr. 1. Ulanen-Regiment auf Befehl von König Max Joseph
I. mit 6 Eskadronen aufgestellt. Ulanen hatten sich als Lanzenreiter nach
polnischem Vorbild während der napoleonischen Kriege vielfach bewährt.
Die Uniform war in der Zeit der Erstaufstellung aus dunkelgrünem Tuch mit hellblauem Kragen, Klappen und Aufschlägen an der Kurtka und ebensolchen Besatzstreifen auf der Hose. Die hellblaue Abzeichenfarbe wurde 1814 auf rot geändert. Die Mannschaftshose hatte einen bis ungefähr 10 cm unter das Knie reichenden Lederbesatz. Es wurde eine ca. 12,2 cm breite hellblaue Schärpe mit 4 weißen Streifen getragen. Das Lederzeug war weiß. Die gelbe Tschapka hatte gelbe Metallteile (Buckel, Schuppenkette und Schirmeinfassung), weißen Behang und Fangschnur. Der Busch war bei den Offizieren weißblau, sonst weiß. Der Mantel (Pollison) aus grauem Tuch unterschied sich von dem der Chevaulegers durch den stehenden grünen Kragen, der vorne beiderseits mit einer kleinen hellblauen Patte geschmückt war, deren rückwärtiges, dreieckiges Ende einen Uniformknopf trug. Die Fouragierkappe ist grün mit hellblauen Passepoils, die Stulpe hatte weißwollenen Besatz und Vorstoß und vorne eine weiße Quaste. - Bewaffnet waren die Ulanen mit einem Korbsäbel, Pistolen und der Holzlanze (Gesamtlänge 3,21 m). Doch schon 1822 wurde das Regiment auf Grund von Sparmaßnahmen und einer Verkleinerung der bayerischen
Armee wieder aufgelöst. Das Personal wurde unter anderem von dem KB 4. Chevauleger-Regiment aufgenommen. Wiederaufstellung, Kriegsjahre 1866 und 1870/71 Erst 1863 wurden von König Maximilan II. nach langen Überlegungen wieder drei Ulanenregimenter in Bayern aufgestellt (1., 2. und 3. Ulanenregiment). Die Handhabung der Lanze war schwierig und man war sich unsicher, ob sich einerseits der Ausbildungsaufwand rechtfertigen würde und ob die polnische Lanzenreiterei zum bayerischen Volkscharakter passen würde. Das 1. Ulanenregiment wurde in Dillingen und Augsburg stationiert, das 2. Regiment in Ansbach. Das 3. Regiment wurde schon kurze Zeit später wieder aufgelöst.
In den deutschen Krieg von 1866, an dem das
Königreich Bayern an der Seite Österreichs gegen Preußen teilnahm, marschierte
das Regiment am 2. Juni mit 443 Pferden von Dillingen unter Oberst Korb ab und
bezog am 7. Juni Unterkünfte in Uffenheim. Es unterstand zusammen mit dem 2.
Ulanen-Regiment der 1. leichten Kavallerie-Brigade, welche wiederum mit der 2.
leichten Kavallerie-Brigade (5. Chevauleger-Regiment, 3. Ulanen-Regiment), der
Schweren Kavallerie-Brigade ( 1., 2. und 3. Kürassier-Regiment) und der 3. und
4. reitenden Batterie vom 4. Artillerie-Regiment das Reserve-Kavallerie-Korps
unter General der Kavallerie Fürst von Turn und Taxis bildete. In den Krieg von 1870/71 gegen Frankreich zog das Regiment
unter Oberst Graf von Ysenburg am 2.
August 1870 mit 20 Offizieren, 5 Beamten, 528 Reitern, 22 Trainpferden und 7
Fahrzeugen. Die Säbel wurden in der Schleifmühle von Donau-Altheim kriegsmäßig
geschliffen. Verladen auf der Bahnstation Offingen wurde es in 3 Zügen nach
Bruchsal transportiert, von wo die bayerische Ulanenbrigade (1. und 2.
Ulanenregiment) unter Generalmajor Freiherr von Mulzer nach Frankreich marschierte.
Die Ulanenbrigade war dem II. bayrischen Armee-Korps unter General der
Infanterie von Hartmann im Verband der III. Armee (Kronprinz Friedrich-Wilhelm
von Preußen) unterstellt, welche in das Nordelsaß einmarschierte.
Verlegung nach Bamberg 1872 wurde das Regiment von Dillingen und Augsburg nach Bamberg verlegt, das über hervorragendes Reitgelände verfügte. Seit dem 17. Juli 1871 war der preußische Kronprinz Friedrich-Willhem, der spätere Kaiser Friedrich III. Regimentsinhaber. Mit seiner Thronübernahme im Jahr 1888 und nach seinem Ableben mit der Übernahme des Regimentinhabertitels durch seinen Sohn Kaiser Wilhelm II. trug das Regiment den stolzen Namen "Kaiser-Ulanen". Das Regiment war auch unter dem Spitznamen "Sekt-Ulanen" bekannt.
Das Regiment, das neben dem Leibregiment und dem 1. Schweren-Reiter-Regiment als eines der drei „vornehmen“ Regimenter der Bayerischen Armee galt, wies einen überdurchschnittlich hohen Anteil an adeligen Offizieren auf. Mitglieder der Familien Egloffstein, Guttenberg, Stauffenberg und Wittelsbach (Max Emanuel) dienten in diesem Verband. Es gibt die Anekdote - da zeitweise bis zu sechs Mitgliedern der Familie Gebsattel in der Einheit dienten -, dass Wilhelm II. das Regiment als Gebsattel-Regiment bezeichnete.
Uniformierung nach der Neuaufstellung Nach der Neuaufstellung 1863 trugen die bayerischen Ulanen ein Tschapkamodell, das stark an die österreichischen Regimenter erinnerte. Der gesamte Vierkant bestand dabei aus karmesinrotem Tuch. 1873 wurde ein neues Tschapkamodell eingeführt, welches sich dem preußischen annäherte. Gleichzeitig wurde erstmalig eine Fangschnur verwendet. Am 10. September 1886 wurde dann eine Tschapka mit Paraderabatte und Haarbusch nach dem preußischen Modell ganz aus Leder eingeführt. Der Fangschnurhaken war aus Neusilber. Anders als bei allen anderen deutschen Ulanenregimenter hatten die Fangschnüre der Offiziere offene Quasten.
Der zweireihige Waffenrock der Ulanen war stahlgrün, ähnlich dem der Chevaulegers, jedoch mit polnischen Ärmelaufschlägen und Vorstößen um die Rücken- und Ärmelnähte. Anders als die Chevaulegers trugen die Ulanen Epauletten. Zur Parade wurde eine karmensinrote Paraderabatte vor die Brust geknöpft. Das Bandolier der Offiziere trug silberne Tressen
die von drei blauen Tressbändern unterbrochen waren. Der Kartuschkasten der Offiziere war vorne komplett
silber beschlagen. 1. Weltkrieg Berühmt wurde das Regiment im 1. Weltkrieg durch die Schlacht von Lagarde, der letzten bekannten erfolgreichen Kavallerieattacke größeren Stils zumindest auf dem westlichen Kriegsschauplatz. Lagarde zeigte, dass Kavallerie auch 1914 noch erfolgreich in der Attacke eingesetzt werden konnte, wenn die Umstände günstig waren (Überraschungmoment oder schon erschütterter Gegner). Der zweite Teil der Attacke mit seinen hohen Verlusten zeigte jedoch auch die extreme Verwundbarkeit gegen die Feuerkraft der Infanterie. Letztmalig wurde Kavallerie im Sowjetisch-polnischen Krieg von 1920 im Großen Stil eingesetzt, wobei die Rote Armee sogar eine Reiterarmee ins Feld führte. Die Weite des Raums, bei dem Schnelligkeit und Überraschung eine wichtige Rolle spielten, erlaubten hier noch einmal den großen Einsatz von Mann und Pferd in Kavallerieverbänden. Im Zweiten Weltkrieg wurden Kavallerieeinheiten dann nur mehr als berittene Infanterie eingesetzt. Das 1. Bayr. Ulanenregiment verlieb über den gesamten Ersten Weltkrieg im Verband der 4. bayr. Kavalleriebrigade zusammen mit dem 2. Ulanenregiment und wurde nach den Eröffnungsschlachten in Lothringen ab Oktober im "Weltlauf zum Meer" in Nordfrankreich und Flandern eingesetzt, wo sie an der Einnahme von Lille mitwirkten. Nach Einsatz hinter der Front im Bahnschutz und als Armeereserve wurde das Regiment mit der bayr. Kavalleriedivision an die Ostfront verlegt. Hier machte es bis Oktober 1915 den großen Vormarsch nach Kurland nach der Durchbruchsschlacht von Tarnow-Gorlice mit. Danach war das Regiment im Stellungskrieg an der Komaika in Litauen bis zum April 1916 eingesetzt. Als die Brussilow-Offensiven der Russen die österreich-ungarische Front im Süden fast zum Einsturz brachten, wurde das 1. Ulanenregiment nach Galizien transportiert und war dort bis Februar 1918 am Stochod im infanteristischen Einsatz im Stellungskrieg. Im August und September 1916 bewährten sich die Kaiserulanen bei schwersten Abwehrkämpfen gegen russische Grossangriffe. Sie nahmen dann am 4. April 1917 an der Erstürmung des Brückenkopfes von Toboly im selben Kampfabschnitt teil und machten 5 Offiziere und 270 Mann Gefangene. Ab 19. Februar 1918 wurde das Regiment aus der Front gezogen und zwei Eskadrons wieder beritten gemacht. Die Reste des Regiments wurden als Schützeneskadron zusammengefasst. Die Kaiserulanen nahmen nun am Vormarsch in der Ukraine teil und kämpften sich im Bahnkrieg vornehmlich gegen die Bolschewisten über Kiew bis April 1918 nach Nowomoskowsk vor. Dort konnte das Regiment durch russische Kavalleriepferde wieder voll beritten gemacht werden. Bis Mai 1918 wurde weiter nach Südosten marschiert und an der Einnahme von Rostow mitgewirkt. Im Juni wurde das Regiment dann in die Kernukraine südlich von Kiew zurücktransportiert, um dort bis September eine Aufstandsbewegung niederzuschlagen und zu entwaffnen. Im Oktober und November 1918 erfolgten dann die Verlegungen in den Süden in die nogaische Steppe und die Krim als Besatzungstruppen. Nach der Nachricht über den Ausbruch der Revolution in Deutschland marschierten die Kaiserulanen dann ab 28. November 1918 bis 4. Februar 1919 1800 km vom Schwarzen Meer durch die Ukraine, Litauen und Polen bis nach Ostpreußen. Der Rückmarsch erfolgte unter großen Schwierigkeiten bei bis zu 30 Grad Kälte, schlechter Unterkunft und Verpflegung und andauernden Kämpfen mit Banden und halbregulären feindlichen Truppen. Am 8. Januar 1919 wurde das letzte Gefecht bei Zaslaw bestanden.
Epilog Nach der Rückkehr des Regiments am 10. Februar 1919 nach Bamberg änderte sich mit dem Versailler Vertrag die Situation der Ulanen grundlegend. Das Regiment wurde aufgelöst und ging in das 1920 neu gebildete 17. (bayerische) Reiterregiment und spätere Kavallerieregiment 17 mit Hauptsitz in Bamberg auf. Das 17. Reiterregiment war somit der Nachfolgeverband, der die Tradition des Ulanenregiments wie auch aller anderen ebenfalls aufgelösten bayerischen Kavallerieregimenter fortführte. Eine herausragende Persönlichkeit des 17. Reiterregiments und bayerischer Kavallerist war Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der den militärischen Widerstand gegen Hitler anführte. Stauffenberg trat 1926 beim 17. Reiterregiment in Bamberg in die Armee ein, wurde hier zum Offizier befördert und gehörte diesem Verband bis 1934 an. Die christliche Einstellung und tief in der Tradition verwurzelten Werte der Offiziere des Kavallerieregiments 17 äußerten sich in diesem bayerischen Regiment durch eine im 2. Weltkrieg verstärkt kritische Einstellung zum Nationalsozialismus, der schließlich zum Widerstand führte. Aus kaum keinem anderen Verband als den 17er Reitern fielen in Folge des Attentats vom 20. Juli 1944 mehr Menschen den Verfolgungen der Nationalsozialisten zum Opfer.
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