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Das Königlich Bayerische 1. Ulanen-Regiment "Kaiser Wilhelm II. König von Preußen"

Eskadron des 1. Bayr. Ulanenregiments im Parademarsch im Galopp, Homburg 1897

Regimentstandarte

 

Anfänge

Im  Rußlandfeldzug Napoleons von 1812, in dem Bayern als Verbündeter Frankreichs Truppenfolge leisten musste, war die tapfere bayerische Armee fast vollständig vernichtet worden. Im Frühjahr und Sommer 1813 wurde das bayerische Heer neu aufgestellt und in seiner Stärke vermehrt, um für den Wechsel auf die Seite der Feinde Napoleons vorbereitet zu sein. In diesem Zuge schlug der bayerische Staatsminister Graf Montgelas vor, ein für Bayern neuartiges Kavallerieregiment mit neuer, besserer Uniformierung und Bewaffnung aufzustellen. Zu dieser Zeit hatte die bayerische Armee nur leichte Kavallerie in Form der Chevauleger-Regimenter.  Am 19. August 1813 wurde deshalb das Kgl. Bayr. 1. Ulanen-Regiment auf Befehl von König Max Joseph I. mit 6 Eskadronen aufgestellt. Ulanen hatten sich als Lanzenreiter nach polnischem Vorbild während der napoleonischen Kriege vielfach bewährt.
Das Regiment erlebte seine Frontbewährung während der Campagne von 1815 gegen den aus Elba zurückgekehrten Napoleon, welche die Bayern wieder auf Seiten der Alliierten sah. Am 11. Juni brach das Regiment aus der Garnison Aschaffenburg nach Frankreich auf. Zusammen mit den auch erst 1813 bzw. 1814 aufgestellten Garde du Corps und dem 1. Kürassierregiment bildete es in der von Feldmarschall Fürst von Wrede geführten bayerischen Armee die Kavallerie-Reserve-Brigade. Da die Entscheidung über den Feldzug schon am 17. Juni bei Waterloo mit der vernichtenden Niederlage Napoleons gefallen war, stieß der Vormarsch Wredes auf Paris zur Deckung der südlichen Flanke der Preußen und Engländer auf keinen wesentlichen Widerstand mehr. Ss gab nur kleinere Gefechte beim Grenzübertritt im Raum Saarbrücken. Paris wurde am 10. Juli erreicht. Vor dem Rückmarsch in die Heimat verblieben die bayerischen Truppen mit dem 1. Ulanen-Regiment als Teil der Okkupation dann noch für fast drei Monate in Frankreich.

Gemeiner des 1. Bayerischen Ulanenregiments um 1813

Gemeiner und Offizier des 1. Bayerischen Ulanenregiments um 1815

Von links nach rechts: Offizier 1813, Offizier 1817, Gemeiner 1813, Gemeiner 1814

Die Uniform war in der Zeit der Erstaufstellung aus dunkelgrünem Tuch mit hellblauem Kragen, Klappen und Aufschlägen an der Kurtka und ebensolchen Besatzstreifen auf der Hose. Die hellblaue Abzeichenfarbe wurde 1814 auf rot geändert. Die Mannschaftshose hatte einen bis ungefähr 10 cm unter das Knie reichenden Lederbesatz. Es wurde eine ca. 12,2 cm breite hellblaue Schärpe mit 4 weißen Streifen getragen. Das Lederzeug war weiß. Die gelbe Tschapka hatte gelbe Metallteile (Buckel, Schuppenkette und Schirmeinfassung), weißen Behang und Fangschnur. Der Busch war bei den Offizieren weißblau, sonst weiß. Der Mantel (Pollison) aus grauem Tuch unterschied sich von dem der Chevaulegers durch den stehenden grünen Kragen, der vorne beiderseits mit einer kleinen hellblauen Patte geschmückt war, deren rückwärtiges, dreieckiges Ende einen Uniformknopf trug. Die Fouragierkappe ist grün mit hellblauen Passepoils, die Stulpe hatte weißwollenen Besatz und Vorstoß und vorne eine weiße Quaste. - Bewaffnet waren die Ulanen mit einem Korbsäbel, Pistolen und der Holzlanze (Gesamtlänge 3,21 m).

Doch schon 1822 wurde das Regiment auf Grund von Sparmaßnahmen und einer Verkleinerung der bayerischen Armee wieder aufgelöst. Das Personal wurde unter anderem von dem KB 4. Chevauleger-Regiment aufgenommen.
 

Wiederaufstellung, Kriegsjahre 1866 und 1870/71

Erst 1863 wurden von König Maximilan II. nach langen Überlegungen wieder drei Ulanenregimenter in Bayern aufgestellt (1., 2. und 3. Ulanenregiment). Die Handhabung der Lanze war schwierig und man war sich unsicher, ob sich einerseits der Ausbildungsaufwand rechtfertigen würde und ob die polnische Lanzenreiterei zum bayerischen Volkscharakter passen würde. Das 1. Ulanenregiment wurde in Dillingen und Augsburg stationiert, das 2. Regiment in Ansbach. Das 3. Regiment wurde schon kurze Zeit später wieder aufgelöst.

Oberstab mit dem Regimentskommandeur 1863

Ulanenkaserne in Dillingen an der Donau

2. KB Ulanenregiment in Parade um 1868

1865: Links: Gemeine in Parade, Mitte: Offizier im Feldanzug, Rechts: Offiziere in Parade

Ulanen des 1. Regiments während des Feldzugs von 1870/71. Im Felde wurde zum Schutz über der Tschapka ein schwarzer Überzug getragen.

1870: Gemeine im Feldanzug mit dem kurzen Spenzer anstelle des Waffenrocks.

 

In den deutschen Krieg von 1866, an dem das Königreich Bayern an der Seite Österreichs gegen Preußen teilnahm, marschierte das Regiment am 2. Juni mit 443 Pferden von Dillingen unter Oberst Korb ab und bezog am 7. Juni Unterkünfte in Uffenheim. Es unterstand zusammen mit dem 2. Ulanen-Regiment der 1. leichten Kavallerie-Brigade, welche wiederum mit der 2. leichten Kavallerie-Brigade (5. Chevauleger-Regiment, 3. Ulanen-Regiment), der Schweren Kavallerie-Brigade ( 1., 2. und 3. Kürassier-Regiment) und der 3. und 4. reitenden Batterie vom 4. Artillerie-Regiment das Reserve-Kavallerie-Korps unter General der Kavallerie Fürst von Turn und Taxis bildete.
Die 1. Ulanen marschierten zunächst über Bamberg nach Kulmbach und wurden dann per Bahn nach Schweinfurt verlegt. Sie nahmen dann an der Bahn- und Telegraphenzerstörung bei Meiningen teil. Nach der Kapitulation des hannoverschen Heeres und Aufklärung preußischer Truppen aller Waffen bei Rasdorf wurde das Regiment nach Hammelburg zurückgenommen. Die bayerische Armee vereinigte sich von Hammelburg ab Saale aufwärts, um dem von Fulda über Brückenau anmarschierenden Feind offensiv entgegenzutreten. Während des Gefechts bei Hammelburg am 10. Juli waren die 1. Ulanen zweimal nördlich Hammelburg und während des Überschreitens der Hammelburger Saale-Brücke im Schritt feindlichem Granatfeuer ausgesetzt und verlor außer mehreren Leichverletzten 12 Mann und 24 Pferde.
Das bayerische Heer zog sich nach dem verlorenen Gefecht auf Schweinfurt zurück. Die 1. leichte Kavalleriebrigade wurde dann im Raum Würzburg in einer Reservestellung eingesetzt und erlebte bis zum Waffenstillstand am 28. Juli keine weitere Gefechtshandlung. Die Brigade marschierte abschließend nach Ingolstadt, Neustadt a. D., Eggmühl und Regensburg. Am 1. September aus dem Brigadeverband entlassen, kehrten die 1. Ulanen am 8. September nach Dillingen zurück.

In den Krieg von 1870/71 gegen Frankreich zog das Regiment unter Oberst Graf von Ysenburg am 2. August 1870 mit 20 Offizieren, 5 Beamten, 528 Reitern, 22 Trainpferden und 7 Fahrzeugen. Die Säbel wurden in der Schleifmühle von Donau-Altheim kriegsmäßig geschliffen. Verladen auf der Bahnstation Offingen wurde es in 3 Zügen nach Bruchsal transportiert, von wo die bayerische Ulanenbrigade (1. und 2. Ulanenregiment) unter Generalmajor Freiherr von Mulzer nach Frankreich marschierte. Die Ulanenbrigade war dem II. bayrischen Armee-Korps unter General der Infanterie von Hartmann im Verband der III. Armee (Kronprinz Friedrich-Wilhelm von Preußen) unterstellt, welche in das Nordelsaß einmarschierte.
In der Schlacht von Wörth, in der die III. Armee am 6. August 1870 das I. Armeekorps der französischen Rheinarmee unter Marschall Mac Mahon besiegte, kamen die 1. Ulanen - als Reserve eingesetzt - zu keinem Feindkontakt außer wirkungslosem französisches Artilleriefeuer. Zu spät zur Verfolgung der geschlagenen Franzosen angesetzt, konnte das Regiment am 7. August 1870 im Nachsetzen nur mehr vereinzelte französische Versprengte gefangen nehmen.
Die III. Armee verlor den Kontakt zu den Franzosen und marschierte nach Westen Richtung Chalon, wo Mac Mahon die Reste seines geschlagenen Armeekorps und weiterer französischer Korps zu einer neuen Armee sammelte. Im Zug des allgemeinen Vormarsches erreichten die 1. Ulanen am 13. August die Gegend von Dieuze und nahmen am 14. August an der Kapitulation von Marsal teil. Danach marschierte das Regiment weiter auf Toul (16. August), das Widerstand leistete und von der reitenden Batterie Massenbach beschossen wurde. Am nächsten Tag umging die Ulanenbrigade Toul südlich durch Durchschwimmen der Mosel und marschierten weiter nach Westen Richtung Bar-le-Duc.
Die Lage änderte sich grundlegend, als vom 16. bis 18. August die französische Rheinarmee unter Marschall Bazaine bei Metz in mehreren Schlachten von der I. und II. preußischen Armee geschlagen wurde und sich in der Festung Metz einschließen lassen musste. Nach mehrtägigem Aufklärungs- und Vorpostendienst im Zusammenhang mit dem weiterem Vormarsch erreichte die Ulanenbrigade dem II. Korps voraus am 25. August die Gegend 30 km südöstlich Chalon.
Da nun klar wurde, dass sich Mac Mahon mit seiner Armee nicht mehr in Chalon aufhielt, sondern von Norden her versuchte, die französische Rheinarmee in Metz zu entsetzen, wurden das II. bayerische Korps, das am 25. August Charmont erreicht hatte, im Verbund der III. Armee ab 26. August in einem Rechtsaufmarsch als Teil einer groß angelegten Zangenbewegung nach Norden angesetzt. Das 1. Ulanen-Regiment sammelte nach Gewaltmärschen am 27./28. Augustin in Ripont, um sich bei Binorville wieder dem II. bayerischen Korps anzuschließen.
Am 30. August war Mac Mahon bei Sedan von den deutschen Armeekorps eingekreist. Die 1er Ulanen nahmen am 1. September als Teil des südlichen Einschließungsrings an der Schlacht von Sedan teil, hatten aber jedoch keine wesentliche Feindberührung. Sie wurden vom II. Armeekorps zunächst in Bereitschaftsstellung hinter den nördlichen Waldstücken des Bois de la Marfee gehalten und dann während der letzten Durchbruchsversuche französischer Truppen gegen 2:30 nachmittags mehr nach dem linken Flügel an die Strasse von Sedan nach Mezieres herangezogen.
Nach der Schlacht von Sedan marschierte das Regiment als Teil des allgemeinen Vormarschs auf Paris, sicherte und klärte dabei auf und hatte mehrmals Kontakt mit Franktireurs. Am 17. September wurde das linke Seine-Ufer bei Corbeil erreicht. Am 19. September wurde der Ring um Paris vollständig geschlossen. Für die nächsten Monate bis Kriegsende waren die 1. Ulanen zur Sicherung des südlichen Einschließungrings von Paris eingesetzt und hatten in Massy Quartier.
Nach der Kapitulation von Paris durfte das Regiment am 1. März 1871 an der Siegesparade in Paris teilnehmen. Die 1. Ulanen traten anschließend den Rückmarsch an, wobei die 1. Eskadron als Teil der Okkupationsarmee bis August 1873 in Frankreich verblieb. Das Gros des Regiments marschierte über Sezanne, Vitry nach Maxau, verlud dort am 27. Juni 1871 in 3 Eisenbahnzüge und erreicht in der Nacht vom 27./28. Juni Günzburg, wo entladen wurde. Am 28. Juni kehrte das Regiment nach Dillingen zurück.
Die Verluste des Regiments waren in diesem Krieg gering: 7 Tote, 3 Verwundete und 96 Erkrankte. Bei den Pferden wurden 3 durch Schusswunden getötet, 7 wegen Krankheiten eingeschläfert und 52 erkrankten.

 

Verlegung nach Bamberg

1872 wurde das Regiment von Dillingen und Augsburg nach Bamberg verlegt, das über hervorragendes Reitgelände verfügte. Seit dem 17. Juli 1871 war der preußische Kronprinz Friedrich-Willhem, der spätere Kaiser Friedrich III. Regimentsinhaber. Mit seiner Thronübernahme im Jahr 1888 und nach seinem Ableben mit der Übernahme des Regimentinhabertitels durch seinen Sohn Kaiser Wilhelm II. trug das Regiment den stolzen Namen "Kaiser-Ulanen". Das Regiment war auch unter dem Spitznamen "Sekt-Ulanen" bekannt.

Leutnant in Parade

Abmarsch zur Feldübung

Offiziere in Gala

Eskorte der 1. Bayr. Ulanen zum Einzug Kaiser Wilhelms II. in München

4 Eskadrons des Regiments in Kolonne, Kaisermanöver im Elsaß 1909

Das 1. Bayr. Ulanenregiment (5 Eskadrons) im Parademarsch im Galopp vor dem Prinzregenten Luitpold im September 1891

Feldübung mit Überwinden schweren Geländes

Treppenhindernis auf dem Bamberger Kavallerie-Exerzierplatz

Trompeter des 1. Bayr. Ulanenregiments

Pauker des 1. Bayr. Ulanenregiments um 1910 im Dienstanzug. Kaiser Willhelm II hatte dem Regiment silberne Kesselpauken verliehen.

 

Das Regiment, das neben dem Leibregiment und dem 1. Schweren-Reiter-Regiment als eines der drei „vornehmen“ Regimenter der Bayerischen Armee galt, wies einen überdurchschnittlich hohen Anteil an adeligen Offizieren auf. Mitglieder der Familien Egloffstein, Guttenberg, Stauffenberg und Wittelsbach (Max Emanuel) dienten in diesem Verband. Es gibt die Anekdote - da zeitweise bis zu sechs Mitgliedern der Familie Gebsattel in der Einheit dienten -, dass Wilhelm II. das Regiment als Gebsattel-Regiment bezeichnete.

Regimentsstab 1911

 

Uniformierung nach der Neuaufstellung

Nach der Neuaufstellung 1863 trugen die bayerischen Ulanen ein Tschapkamodell, das stark an die österreichischen Regimenter erinnerte. Der gesamte Vierkant bestand dabei aus karmesinrotem Tuch. 1873 wurde ein neues Tschapkamodell eingeführt, welches sich dem preußischen annäherte. Gleichzeitig wurde erstmalig eine Fangschnur verwendet. Am 10. September 1886 wurde dann eine Tschapka mit Paraderabatte und Haarbusch nach dem preußischen Modell ganz aus Leder eingeführt. Der Fangschnurhaken war aus Neusilber. Anders als bei allen anderen deutschen Ulanenregimenter hatten die Fangschnüre der Offiziere offene Quasten.

 

Uniformierung des KB 1. Ulanen-Regiments in der Friedensuniform um 1914

Friedensuniformierung und Ausrüstung der bayr. Ulanen- und Chevaulegerregimenter um 1914

Der zweireihige Waffenrock der Ulanen war stahlgrün, ähnlich dem der Chevaulegers, jedoch mit polnischen Ärmelaufschlägen und Vorstößen um die Rücken- und Ärmelnähte. Anders als die Chevaulegers trugen die Ulanen Epauletten. Zur Parade wurde eine karmensinrote Paraderabatte vor die Brust geknöpft.

Das Bandolier der Offiziere trug silberne Tressen die von drei blauen Tressbändern unterbrochen waren. Der Kartuschkasten der Offiziere war vorne komplett silber beschlagen.
 

1. Weltkrieg

Berühmt wurde das Regiment im 1. Weltkrieg durch die Schlacht von Lagarde, der letzten bekannten erfolgreichen Kavallerieattacke größeren Stils zumindest auf dem westlichen Kriegsschauplatz. Lagarde zeigte, dass Kavallerie auch 1914 noch erfolgreich in der Attacke eingesetzt werden konnte, wenn die Umstände günstig waren (Überraschungmoment oder schon erschütterter Gegner). Der zweite Teil der Attacke mit seinen hohen Verlusten zeigte jedoch auch die extreme Verwundbarkeit gegen die Feuerkraft der Infanterie. Letztmalig wurde Kavallerie im Sowjetisch-polnischen Krieg von 1920 im Großen Stil eingesetzt, wobei die Rote Armee sogar eine Reiterarmee ins Feld führte. Die Weite des Raums, bei dem Schnelligkeit und Überraschung eine wichtige Rolle spielten, erlaubten hier noch einmal den großen Einsatz von Mann und Pferd in Kavallerieverbänden. Im Zweiten Weltkrieg wurden Kavallerieeinheiten dann nur mehr als berittene Infanterie eingesetzt.

Das 1. Bayr. Ulanenregiment verlieb über den gesamten Ersten Weltkrieg im Verband der 4. bayr. Kavalleriebrigade zusammen mit dem 2. Ulanenregiment und wurde nach den Eröffnungsschlachten in Lothringen ab Oktober im "Weltlauf zum Meer" in Nordfrankreich und Flandern eingesetzt, wo sie an der Einnahme von Lille mitwirkten. Nach Einsatz hinter der Front im Bahnschutz und als Armeereserve wurde das Regiment mit der bayr. Kavalleriedivision an die Ostfront verlegt. Hier machte es bis Oktober 1915 den großen Vormarsch nach Kurland nach der Durchbruchsschlacht von Tarnow-Gorlice mit. Danach war das Regiment im Stellungskrieg an der Komaika in Litauen bis zum April 1916 eingesetzt.

Als die Brussilow-Offensiven der Russen die österreich-ungarische Front im Süden fast zum Einsturz brachten, wurde das 1. Ulanenregiment nach Galizien transportiert und war dort bis Februar 1918 am Stochod im infanteristischen Einsatz im Stellungskrieg. Im August und September 1916 bewährten sich die Kaiserulanen bei schwersten Abwehrkämpfen gegen russische Grossangriffe. Sie nahmen dann am 4. April 1917 an der Erstürmung des Brückenkopfes von Toboly im selben Kampfabschnitt teil und machten 5 Offiziere und 270 Mann Gefangene.

Ab 19. Februar 1918 wurde das Regiment aus der Front gezogen und zwei Eskadrons wieder beritten gemacht. Die Reste des Regiments wurden als Schützeneskadron zusammengefasst. Die Kaiserulanen nahmen nun am Vormarsch in der Ukraine teil und kämpften sich im Bahnkrieg vornehmlich gegen die Bolschewisten über Kiew bis April 1918 nach Nowomoskowsk vor. Dort konnte das Regiment durch russische Kavalleriepferde wieder voll beritten gemacht werden. Bis Mai 1918 wurde weiter nach Südosten marschiert und an der Einnahme von Rostow mitgewirkt. Im Juni wurde das Regiment dann in die Kernukraine südlich von Kiew zurücktransportiert, um dort bis September eine Aufstandsbewegung niederzuschlagen und zu entwaffnen.

Im Oktober und November 1918 erfolgten dann die Verlegungen in den Süden in die nogaische Steppe und die Krim als Besatzungstruppen. Nach der Nachricht über den Ausbruch der Revolution in Deutschland marschierten die Kaiserulanen dann ab 28. November 1918 bis 4. Februar 1919 1800 km vom Schwarzen Meer durch die Ukraine, Litauen und Polen bis nach Ostpreußen. Der Rückmarsch erfolgte unter großen Schwierigkeiten bei bis zu 30 Grad Kälte, schlechter Unterkunft und Verpflegung und andauernden Kämpfen mit Banden und halbregulären feindlichen Truppen. Am 8. Januar 1919 wurde das letzte Gefecht bei Zaslaw bestanden.

1. Bayr. Ulanen in der Attacke bei Lagarde

Gefreiter des 1. Bayr. Ulanenregiments in feldgrauer Uniform im 1. Weltkrieg

 

 

Epilog

Nach der Rückkehr des Regiments am 10. Februar 1919 nach Bamberg änderte sich mit dem Versailler Vertrag die Situation der Ulanen grundlegend. Das Regiment wurde aufgelöst und ging in das 1920 neu gebildete 17. (bayerische) Reiterregiment und spätere Kavallerieregiment 17 mit Hauptsitz in Bamberg auf. Das 17. Reiterregiment war somit der Nachfolgeverband, der die Tradition des Ulanenregiments wie auch aller anderen ebenfalls aufgelösten bayerischen Kavallerieregimenter fortführte.

Eine herausragende Persönlichkeit des 17. Reiterregiments und bayerischer Kavallerist war Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der den militärischen Widerstand gegen Hitler anführte. Stauffenberg trat 1926 beim 17. Reiterregiment in Bamberg in die Armee ein, wurde hier zum Offizier befördert und gehörte diesem Verband bis 1934 an. Die christliche Einstellung und tief in der Tradition verwurzelten Werte der Offiziere des Kavallerieregiments 17 äußerten sich in diesem bayerischen Regiment durch eine im 2. Weltkrieg verstärkt kritische Einstellung zum Nationalsozialismus, der schließlich zum Widerstand führte. Aus kaum keinem anderen Verband als den 17er Reitern fielen in Folge des Attentats vom 20. Juli 1944 mehr Menschen den Verfolgungen der Nationalsozialisten zum Opfer.

 


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Zuletzt geändert: Sonntag, 14 März 2010