Die Standarte des Regiments
In Bayern waren in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts nur bei den Kürassier-Regimentern Standarten üblich gewesen. Aus
diesem Grund hatte das im Jahre 1863 wieder aufgestellte 1. Ulanen-Regiment wie
die bayerischen Chevauleger-Regimenter zunächst keine Standarte. Dem Regiment
wurden erst im Jahre 1882 zusammen mit allen anderen Ulanen- und
Chevauleger-Regimentern eine Standarte verliehen. Während die 1. bis 4.
Chevaulegers alte Kürassier- bzw. Garde du Corps-Standarten bekamen, erhielten
die 5. und 6. Chevaulegers und die 1. und 2. Ulanen neue Standarten nach dem
Infanteriefahnenmuster von 1841, nur kleiner: Beide Seiten der Standarte zeigten
dasselbe Muster. Die Tücher waren weiß und bayrischblau geständert mit
gestickten Emblemen. Das Mittelstück bildete das von zwei grünen Eichenzweigen
umgebene gekrönte und von zwei gekrönten Löwen gehaltene bayerische Wappen mit
den bayrischen Wecken im Herzschild. Die in Gelb gestickten gekrönten Eckembleme
waren von grünen Eichenzweigen umgeben. Die Eckembleme zeigten den gekrönten
Namenszug des Verleihers. Im Falle der 1. Ulanen war dies König Ludwig II. Die
Tücher waren ringsherum von einer schmalen gestickten goldenen Kante umgeben und
an den drei offenen Seiten mit silbernen Fransen eingefasst.
Die Stange der Standarte war blau. Die
Standartenspitze der 1. Ulanen war eine volle Spitze und hatte als erhaben
geprägtes Emblem zwei eine Krone haltende gekrönte Löwen. Die Banderole bestand
aus Rundschnur mit Quasten in der Stickereifarbe. Die 1898 eingeführten
Standartenträgerabzeichen, welche die Träger auf den rechten Ärmel des
Waffenrocks genäht hatten, waren dieselben wie bei der Infanterie. Das
Standartenbandeliere hatte der Knopffarbe der 1. Ulanen entsprechend drei
nebeneinander laufende goldene Tressen auf stahlgrünem Tuch.
Für die Leistungen im Feldzuge 1870/71 erhielten
alle bayerischen Standarten - so auch die der 1. Ulanen nachträglich 1882 - die
Kriegsdenkmünze am Bande (Band des Eisernen Kreuzes mit rotem Mittelstreifen).
Die neue Standarte wurde am 3. Juli 1882
nachmittags in der protestantischen Kirche von Bamberg eingesegnet. Die Weihe
erfolgt am 4. Juli auf dem an der Strullendorfer Straße liegenden Exerzierplatz.
Der Regimentsinhaber Kaiser Wilhelm II verlieh
den 1. Ulanen am 2.2.1892 ein besonderes Paradeband. Das Standartenband zeigte
die Regimentsfarben. Das Band mit dem Namenszug und der Inschrift 9. September
1891 (Tag der Kaiserparade) war stahlgrün mit karmesinrot, auf der Rückseite
grün, das andere Band mit dem Adler und der Inschrift "Wilhelm II., Deutscher
Kaiser" war karmesinrot mit stahlgrün, die Rückseite karmesinrot. In gleicher
Weise war die Schleife zur einen Hälfte rot, zur anderen grün. Die Stickereien
und die Fransen waren golden.
Sämtliche bayerische Feldzeichen erhielten
anlässlich der Jahrhundertwende von 1900 die Säkularspangen, jedoch stand
abweichend von allen sonstigen Mustern in Deutschland in Bayern auf der
Rückseite der Spange mit der Kaiserkrone nicht "1. Januar 1900" sondern "18.
Januar 1871".
Im Ersten Weltkrieg wurde die Standarte der 1.
Ulanen wie bei allen anderen Infanterie- und Kavallerie-Regimentern zunächst im
Felde mitgeführt. Ab Mitte Oktober 1914 sollten dann alle Feldzeichen in den
Stabsquartieren verbleiben. Im Juli 1915 erfolgte schließlich die Rückführung
aller Feldzeichen in die Heimat.
Heute steht die Standarte der 1. Ulanen zusammen
mit den Standarten der anderen 11 bayerischen Kavallerieregimenter von 1914 im
Fahnensaal des Bayerischen Armeemuseums in Ingolstadt.
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